Lijiang war lustig. Nicht so wenig Chilli am Markt, nicht so wenig Chilli unter den Dingen, die in der Altstadt als Mitbringsel verkauft werden.

Fragt man allerdings nach scharfem Essen oder Chilli-Anbau, wurde deren Vorkommen eher verneint.

Mason, mein Kollege und Begleiter in Yunnan, beim Besprechen unserer “Red Hot China”-Mission.

Es liess sich aber so manches an schön-würzigem Essen finden. In einiger Vielfalt.

Naxi Markt-Lokal

Zunächst einmal das kleine Lokal am Bauernmarkt von Lijiang, das uns empfohlen worden war.

Unscheinbar, leicht zu übersehen – aber nicht zu unterschätzen.

Hier hatten wir Naxi kao rou, gebratenes/gegrilltes Fleisch nach Naxi-Art. Schweinebauch, ordentlich knusprig gebratene Haut, mit grünem Chilli und mit einem Zhanfen-Dip (v.a. aus rotem getrocknetem Chilli).

Dazu eine typische Suppe, von der ich stets irgendwelche Zutaten nicht erwähne; es waren so (für chinesische Küche eher unüblich) viele.

Kraut, Pilze, Tofu, Kürbis, Fleisch, Wurst…

Und ein simples Omelette. Aus dem Wok, mit genug Öl gebraten, werden selbst solche etwas anderes.

“Little Chef Private Kitchen”

Etwas touristischer orientiert, etwas gehobener – und dann wurden bei den Kartoffelstreifen mit Paprika die Paprikastreifen vergessen…

Man merkt schon am “Look”, dass das nicht mehr ein simples Lokal für die Einheimischen war, sondern etwas für Besucher von andernorts.

Das Essen war sehr interessant – gerade auch in meiner Auswahl von chilli-reichen Speisen.

Zuerst allerdings einmal, kühle (Ji dou) Bing fen, ‘Nudeln’.

Wobei schon hier mit etwas Chilli in der Sauce gearbeitet wird.

Als ‘Hauptgerichte’ allerdings…

Xueshan wujiao yu, Schneeberg-Fünf-Pfeffer-Fisch.

Ob ich auf fünf ‘Sorten’ Pfeffer käme, bin ich mir nicht ganz sicher, aber da war frisches rotes und grünes Chilli, rotes getrocknetes Chilli, womöglich etwas sauer eingelegtes Chilli – und dazu noch etwas grüner Sichuanpfeffer.

Das wären sogar deren fünf.

(Übrigens gibt es einen – grünen – Sichuanpfeffer-Anbau in der Region um Lijiang, in Huaping. Und etwas von diesem Sichuanpfeffer habe ich für 2020 mit nach Österreich gebracht und im Angebot.)

Immer noch Chilli, und doch ziemlich anders, das zweite Hauptgericht:

Zhulin Jianjiao Ji, Bambuswald-Spitzchilli-Huhn.

Ein (nun ja, eigentlich zwei verschiedene) eingelegte(s) Chilli mit ebenfalls sauer eingelegten Bambussprossen als Hauptzutaten und Aroma zu Huhn.

Natürlich ist auch das etwas würzig, aber in seiner Säure (und mit Huhn) doch ganz anders im Geschmack!

Chinesisches Essen ginge nicht ohne noch etwas mit einer anderen, milden, Aromatik, daher noch die erwähnten Kartoffelstreifen, Tudou Si.

Die Mischung hier, und der Kontrast zum simpleren Naxi-Essen, waren schon spannend.

Yunnan Hot Pot

Ob es eigentlich schon immer verschiedene “Hot Pot” (mit diesem Namen) in China gab, ist mir nicht klar.

Heutzutage aber wird jedenfalls vieles, was (am Tisch) in einem Topf gekocht wird, als Hot Pot bezeichnet.

Yunnan ist berühmt für seine Vielfalt an Pilzen, und dementsprechend spielen die natürlich auch in solchem Hot Pot eine grosse Rolle.

Diese Version war allerdings sehr interessant; sie war etwas wie eine Mischung aus Hot Pot und Teppanyaki.

Man konnte einerseits verschiedene Zutaten in den Topf werfen – darunter natürlich auch noch weitere Gemüse.

Andererseits war da die heisse Platte rundum, auf der man Fleisch und jenes “Brot” braten konnte.

Und ehrlich gesagt: Die Pilze waren schon sehr gut, aber diese flaumige Brot, gebraten dann auch noch mit einer fetten knusprigen Kruste, aber immer noch zart darin – das war der Hammer!

Eine besondere Erwähnung verdient ausserdem auch hier wieder das Zhan… diesmal allerdings nicht trockenes Zhanfen, sondern wie bei Chongqing Hot Pot und Guizhou-Küche, das mit ‘Suppe’ angerührte Zhanshui.

Diese Mischung mit Chilli ist im ganzen ‘scharfen’ Südwestchina zu finden.

In Yunnan wird sie aber wieder anders – mehr schon von südostasiatischen Einflüssen geprägt, säuerlicher – gemacht als in anderen Teilen der Region.

So oder so aber ist sie sehr interessant – und etwas chillli-ges, worüber kaum jemals jemand schreibt.

Noch ein weiteres Mal ging es zu Essen aus dieser Region, dazwischen allerdings gab es tibetische Küche!