Von Chongqing Hot Pot hört man immer als eine laute, extremst scharfe, eher schon unangenehme Erfahrung.

Das Essen scheint kaum eine Rolle zu spielen.

Dem muss aber nicht so sein, und das Restaurant Yanshe Featured Hot Pot der Dezhuang Group zeigt genau das.

Das Restaurant liegt ohnehin schon einmal woanders, als die meisten Orte, an denen man so vorbeikommt: Nanbin-lu.

Das ist die Strasse am südlichen Yangtze-Ufer von Chongqing, die als Vorzeigeprojekt gefördert wird. Modernisierung mit teuren Malls, Unternehmenssitzen und Luxuswohnungen findet sich hier.

Der Balkon von Yanshe blickt hinüber auf den Zusammenfluss von Yangtze und Jialing und die Halbinsel mit dem ältesten und neuesten von Chongqing, darunter den neuen Raffles City Türmen, dazwischen.

Das Restaurant selbst zeigt, was in China auch so alles möglich ist – nicht zuletzt, grosse Eleganz.

Das ist das Extrazimmer mit dem grössten Tisch, nicht das übliche Setting hier ;)

Das Essen, so oft nur ein Nebenbei zur sozialen Funktion von Hot Pot, ist hier von höchster Qualität.

Das erste spezielle Merkmal des Hot Pot hier allerdings: Jeder Gast hat seinen eigenen (zweigeteilten) Topf dafür.

Dezhuang nutzt ausserdem eine, in dem Unternehmen entwickelte, “Li’s Spicy Scale” – und damit nutzt natürlich auch Yanshe diese. Das bedeutet, dass jeder individuelle Gast nach seiner/ihrer Präferenz für die Schärfe des Hot Pot gefragt wird.

Zuerst erwarten einen allerdings etwas Obst und ein Häppchen als Vorspeise.

Dann, als Anfang des Hot Pot-Essens, gibt es Rindfleisch (und nicht irgendeines, sondern importiertes Wagyu), Maodu und Ecang.

Die letzteren zwei sind, ähm, interessant.

Maodu, das ist Rinderpansen; Ecang, Gänsedarm.

Falls das schrecklich klingt, so liegt man falsch. Beide haben keinen besonderen Geschmack – und noch weniger nach ihrer Zeit im Hot Pot, auch wenn das nur ein paar Sekunden sein sollen, die man sie durch den Hot Pot schwenkt.

Worum es bei diesen Zutaten geht, das ist ihr Mundgefühl, kougan. Ihre spezielle Textur.

Sie haben einen gewissen Biss und sind doch zugleich eher zart als hart; sie schmelzen nicht gerade im Mund, aber brechen auch nicht knusprig…

Weiter geht es mit Meeresfrüchten. Ein wenig Fisch, vor allem aber Shrimp, Garnelen, Muscheln.

Die Empfehlung für diese ist, sie in die weisse, nicht-scharfe, Suppe zu geben (welche eine Hühnersuppe ist, von der gegen Anfang des Essens auch etwas in eine Schale getan wird, um als Appetitanreger getrunken zu werden).

Dann gibt es eine Auswahl an Pilzen…

… und an Gemüse.

Und Tofu.

Links auf dem obigen Bild sieht man übrigens die gebackenen (panierten) Schweinefleischstücke – wobei, so ganz Fleisch ist das nicht – die mit Huajiao (Sichuanpfeffer) gewürzt werden und mir besonders schmecken.

Es gab auch, so gut wie immer, einen Teller mit etwas Fleisch, Fleisch- und Fischbällchen.

Inspiriert von westlichen Traditionen bildet oft etwas Süsses den Abschluss; Yanshe macht einen grossartigen Mangopudding – oder, etwas traditioneller, gibt es Tangyuan (mit schwarzer Sesampaste gefüllte Klebreisbällchen in warmer, leicht gesüsster ‘Suppe’).

Yanshe Featured Hot Pot steht in einem ziemlichen Kontrast zu den tausenden anderen Hot Pot-Restaurants in Chongqing.

Dort geht es typischerweise etwas lauter und ‘heisser’ zu – und es liesse sich durchaus argumentieren, dass das schon eher der Rolle von Hot Pot entspricht.

Auch solche Traditionen sollten sich aber anpassen und ändern können, und Yanshe ist ein faszinierendes Beispiel dafür, was für Möglichkeiten es gäbe!