Obukucha 大福茶 ist eine Tradition aus Kyoto, die tatsächlich verschiedene Arten Tee umfassen kann. Egal welcher Tee, benannt ist er danach, was er bringen soll: viel Glück.

Die Ursprünge des Obukucha sollen auf eine Epidemie in Kyoto, während der Heian-Zeit, zurückgehen. Der Wanderpriester Kūya soll Betroffenen mit Tee geholfen haben, und die Tradition des Neujahrstees für viel Glück entwickelte sich von dort.

Versionen von Obukucha

Mancher Obukucha soll Sencha sein, der mit Kombu (Seetang) gemischt und mit einer japanischen Ume-Pflaume in jeder Schale zubereitet wird. Manchmal soll er sogar Flocken von Blattgold enthalten.

Mancher wird, so heisst es, mit frischem Quellwasser zubereitet, das am Neujahrstag geschöpft wird; das Ganze in Tempeln in Kyoto.

Ippodo Tea, zum Beispiel, macht einen Obukucha-Genmaicha, also grünen Tee gemischt mit geröstetem Reis. Für den Obukucha allerdings wird qualitativ hochwertigerer Sencha statt Bancha verwendet und weniger Reis hinzugegeben.

Ippodo Obukucha-Matcha

Ippodo bietet allerdings auch einen Neujahrs-Matcha, in drei Variationen desselben Tees:

  • Neno-mukashi, mit einem Etikett, dass das Tiersymbol des kommenden Jahres zeigt (und der nur von 1. Dezember bis 15. Januar erhältlich ist);
  • Wakamatsu-no-mukashi, der in einer kleineren 20g-Dose kommt, und
  • Seiun in 40g-Grösse. (Diese zwei sind von 1. Dezember bis 31. Januar erhältlich.)

Die Matcha sind so oder so dieselben; und es ist ein sehr guter Matcha, der für “dicken” Koicha verwendet werden kann.

(Falls es seltsam klingt, dass derselbe Matcha unter verschiedenen Namen gehandelt wird: Nein, dass ist relativ häufig der Fall. Auf jeden Fall mit Matcha von Ippodo, und ich denke, nicht nur damit; sie erwähnen auch immer, wenn verschiedene Packungsgrössen denselben Matcha mit verschiedenen Namen bedeuten – und das ist bei ihnen immer der Fall.)

Marukyu Koyama-en Obukucha

Marukyu Koyama-en, immer tief in Traditionen und mit vielen Teeschulen involviert, bieten schon lange Obukucha-Matcha.

Das ist auch einer der Fälle, wo sie eine silberne “gin” und eine noch höher-qualitative “kin” (Gold) Version bieten.

Beide Matcha sind gut, aber es gibt bemerkbare Unterschiede.

Wie üblich ist die “Gin“-Version schon gut genug für einen Koicha, aber stärker im Geschmack.
Sie hat mir schon ausgezeichnet geschmeckt; sie ist vegetabil und süss und rund im Geschmack.

Marukyu Koyama-en Obukucha

Der “Kin“-Obukucha ist allerdings ein samtener Traum; weich und rund, mit einem positiv-flüchtigen Geschmack, ungemein gut im Aroma mit Umami und Süsse.

Es hat mich überrascht, aber er war noch einmal ein Schritt besser als schon der “Gin“. Wie bei so qualitativ hochwertigem Matcha, gehört er allerdings mit Aufmerksamkeit genossen.

Horii Shichimei-en Obukucha

Dieses Jahr (2020) hat einer der Matcha-Produzenten, von denen ich am wenigsten weiss, weil er recht verborgen ist, nicht leicht verfügbar, kaum im Auge der Öffentlichkeit (jedenfalls der nicht-Japanischsprachigen), der aber anscheinend einige Tradition hat, erstmals einen Obukucha herausgebracht.

Der Produzent ist Horii Shichimei-en, und folgt man dem, was Sazen Tea (meine übliche Quelle für Matcha, mit einer grossartigen Auswahl) über ihn zu sagen und von ihm zu bieten hat, dann sollte man ihm wohl wesentlich mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Der Obukucha von Horii Shichimeien ist entweder Obuku-no-shiro oder Obuku-no-mukashi. Also, ja, eigentlich hat auch Horii Shichimei-en zwei verschiedene Qualitäten ihres Obukucha herausgebracht.

Ein “Shiro” (“weisser”) Matcha ist für “dünnen” Usucha gemacht; ein “Mukashi” für Koicha. Obuku-no-mukashi ist es auch, was ich ausprobiert habe.

Horii Shichimei-en Obuku-no-mukashi

Er ist sehr interessant; rund und gut im Aroma, aber auch wieder anders. Der Geschmack liess mich an Mineralien denken; es war etwas anderes an ihm, als nur die übliche ‘Gemüsigkeit’ oder Süsse oder Umami… auch wenn er ein guter Matcha in all diesen Aspekten war.

Ich musste allerdings zu diesem Matcha zurückkehren und ihn wirklich als Koicha zubereiten. Bei meinem Neujahrstrunk hatte ich ihn etwas zu dünn gemacht. Kleine Dinge wie die jeweilige Menge Matchapulver und Wasser, ebenso wie die Temperatur des Wassers, machen bei Matcha schnell einen Unterschied aus…

Die zweite Zubereitung produzierte wirklich einen Koicha, mit all der Cremigkeit, die ein solcher haben sollte. Der Geschmack war wieder etwas anders, und nicht ungleich: Angenehm, rund, ein wenig süss, vegetabil – ein guter Matcha. Mit einer gewissen Stärke, einem leichten Prickeln auf der Zunge.

Ich mochte ihn, aber würde ihn nicht unbedingt für Matcha-Anfänger empfehlen. Es war jedenfalls eine gute Fortsetzung des neuen Jahres.