Was mich am ländlichen Hunan immer wieder fasziniert, das ist die Auswahl an Gemüse – und das Ausmass an Chilli – denen man so einfach begegnen kann. Und das ganze oft von kleinen Ackerflächen zwischen den Reisfeldern.

Reis ist die dominante Feldfrucht im Süden Chinas, gerade in Hunan.

Durch die vielen Niederungen, durch die von den umgebenden Hügeln und Bergen so einiges an Wasser fliesst, gibt es hier sehr gute Bedingungen für den Reisanbau. Natürlich trägt das subtropische Klima noch seinen Teil dazu bei.

“Weingärten” etwa wird auch, weil die Weintrauben sich teurer verkaufen lassen, manchmal eine grössere Fläche zugestanden.

Viel an Gemüse aber findet man nur auf kleinen Flächen. Oft sind diese zwischen Wohnhäusern und Strassen eingepfercht. Manchmal findet man solchen Gartenbau in kleinstem Erdreich im (eigentlich zubetonierten) Innenhof von Wohnhaussiedlungen.

Oder eben die Gemüsebeete finden sich zwischen den Reisfeldern, wie bei jenem, auf das ich einen genaueren Blick geworfen habe.

Trockenbau im Nassreis

Was zuallererst gleich einmal auffällt: Ein solches “Beet” steht zwar inmitten von Nassreisfeldern, die geflutet werden – aber viele der Pflanzen sehen recht trocken aus.

Wasserspinat war auch dort am Wachsen, zu trocken kann es also eigentlich nicht sein, zumindest vorausgesetzt, die Pflanzen wurzeln tief genug. Gerade beim Chilli zeigt sich da allerdings mal wieder, dass es nicht gerade die tiefst wurzelnde Pflanze ist.

Ab und an habe ich andernorts, und vor allem wiederum bei Chilli, gesehen, dass die Bauern mit einer langen Schöpfkelle Wasser aus den Bewässerungskanälen schöpfen würden. Häufig ist das aber eher nicht.

Mischkultur

Die Aufteilung der verschiedenen Arten und Sorten ist auch ganz interessant. Es hat so ziemlich alles seinen Platz; es wird aber auch alles eng aneinander, miteinander leicht gemischt und manchmal wirklich gemeinsam angebaut.

So wuchsen auf diesem Feld zuerst Süsskartoffeln, dann Bittergurken und eventuell anderes kletterndes wie Kürbisse.

Amaranth war etwas am Boden zu finden, dann wieder ein Kürbis und (wahrscheinlich) eine Art Bohnen, denen Bambusgerüste zum Hochranken gebaut worden waren.

Melanzani (Auberginen) waren da zu finden; Sojabohnen; mehr Melanzani und endlich erste Chilli.

Weitere Chilli waren etwas weiter entfernt angepflanzt, zuerst noch eindeutigere der meist-verwendeten längeren Form. Dann auch, schon etwas separat von den ersteren, Chaotianjiao, das schärfere Chilli, dass mit nach oben stehenden Früchten wächst.

Die Sache mit den Chillisorten

In der Mischung an Fruchtformen, die sich unter dem Chilli hier finden lassen, ist es ziemlich eindeutig, dass es sich um Landsorten handelt. Also, dass eigenes Saatgut weiter verwendet und nicht einheitliches, sortenreines Saatgut von entsprechenden Unternehmen gekauft wurde.

Damit kommt man allerdings zu dem typischen Problem, dass man eine gewisse Diversität findet und es sich nicht um eindeutige Typen von Chilli handelt. Es ist einfach dass, was dort eben gerade (und vielleicht schon länger, vielleicht aber auch noch gar nicht allzu lange) angebaut wird.

Fragt man dann also jemanden, was er/sie dort anbaut, so kommen meistens einfach die üblichsten Bezeichnungen. Es ist grünes Chilli oder rotes Chilli, langes Chilli oder eben Chaotianjiao – aber tatsächlich unterscheiden sich diese zwischen verschiedenen Orten durchaus etwas.

Die Unterschiede werden aber erst dann betont, wenn sie relevant werden. Entweder weil jemand wie ich daherkommt und etwas von dem Chilli sammelt und von anderen unterscheiden will oder muss. Oder weil sich der Markt so entwickelt, dass nicht nur direkt am lokalen Bauernmarkt verkauft wird, was halt lokal üblicherweise angebaut und verkauft wird, sondern sich ein Interesse am authentisch-bäuerlich-regionalen entwickelt. Dann muss man besser vermarkten und dazu unterscheidbar machen, was man so hat!

Gemüsevielfalt am Teller

Interessant immer wieder auch an diesen “Beeten”, was hier so alles zu finden ist, was man von Gerichten her kennt – oder weniger kennt.

Kongxincai, der Wasserspinat etwa, wird sehr gerne und viel gegessen.

Sojabohnen, wenn sie von solch kleinem Anbau kommen, landen garantiert als maodou am Teller. Frisch als “haarige Bohnen” sind sie entweder noch in der Schale, in Hunan meist ziemlich würzig, gekocht wie es die Japaner mit/als Edamame machen. Die sind eher ein Snack und werden einfach aus der Schale gesaugt.

Oder sie werden ebenso frisch, aber gepult, mit grünem Chilli und Knoblauch zubereitet.

Aber dann wäre da auch noch so etwas wie die Okra. Irgendwann bei einem früheren Aufenthalt (oder so) war ich darüber schon gestolpert, dass sie in China gegessen würde. Selbst aber habe ich sie diesen Sommer zum ersten Mal in China am Esstisch gesehen – und gleich darauf hier am Feld.

Davor hatte ich noch nie Okra in China gesehen…

Ach ja, das “neue” Gemüse, das ich am Ende des Videos bemerke? Das war ja wohl Malabarspinat.

Es führt mich immer, im Vergleich zu meinem eigenen Anbau desselben, in die Irre, dass er in China weniger zu ranken oder jedenfalls nicht rankend angebaut wird (wie ich ihn in Österreich jetzt schon länger habe).

Im Essen findet man ihn hauptsächlich in einer Suppe – und ich finde den Geschmack ziemlich komisch…