Gewürze sind heutzutage so einfach zu finden und billig; man muss nur in den nächsten Supermarkt.

Nichts erinnert an die spezielle Rolle, die sie in der Geschichte gespielt haben – oder aber doch: Weihnachten und die Gewürze, die um diese Zeit herum beliebt sind.

Süsses zeigt das am besten, in seiner traditionellen Form als Bäckerei und in seiner modernen Form, als Schokoladen. Das alleine ist interessant, wenn man nur einmal anfängt, darüber nachzudenken.

Süsses und Scharfes?

Wir denken, dass aromatische, scharfe Gewürze etwas für deftige Speisen wären. Pfeffer und Chilli zum Fleisch; Ingwer in chinesisches Stir-fry; Kardamom in Curries.

Aber natürlich – selbstverständlich, sobald man nur einmal daran erinnert hat – wird Kardamom auch in Süssigkeiten verwendet.

Zimt in einem Fleischgericht (wie bei Hongshaorou) erscheint geradezu komisch, aber genau richtig für süsse Speisen.

Und, ob sie uns gleich in den Sinn kommen oder nicht, da wären natürlich Lebkuchen (mit Ingwer) und Pfefferkuchen.

Tatsächlich gibt es doch eine ganze Reihe solcher würziger, fast scharfer, Backwaren.

Panpepato in Italien. Lebkuchen und Pfeffernüsse in Österreich und Deutschland. Spekulatius. Piparkakku. Kannelbullar und Kardemummabullar. Lussekater.

Gerade Skandinavien ist faszierend reich an solchen Traditionen gewürzter Backwaren. Sie sind vielleicht doch nicht über die Wikinger dorthin gelangt, wie gerne behauptet wird. Durch den (mittelalterlichen) Gewürzhandel allerdings schon.

Dunkelheit, Gewürzzeit

Gewürze waren einflussreich, sie schufen ganze Imperien – und zumindest um die Weihnachtszeit weht wieder ein Erinnerungshauch ihres Einflusses durch die Luft.

Sie helfen immer noch, sich in der kalten und dunklen Jahreszeit besser zu fühlen, wenn der Winterblues droht.

Überlegen (zu essen)

Hier könnte ich diese kulinarisch-historischen Überlegungen gleich wieder enden lassen, aber ich mag das Thema Essen nun einmal, weil man es selbst erleben kann. Weil es Beziehungen zwischen Körper und Geist eröffnet, ein simpler Einkauf im Supermarkt mit Gewürzen von weither verbindet. Oder auch mit ganz anderen Welten (der Chemie und der Wirtschaft).

Ritter Sport Weihnachtstafel

Ritter Sport Weihnachtstafel

Ritter Sport hat doch tatsächlich nicht nur die Winteredition-Tafeln, die ich schon lange kenne, sondern (dieses Jahr) auch eine grössere Weihnachtstafel. Gefüllt mit kakaohaltiger Milchcreme und aromatisiert mit weihnachtlichen Gewürzen.

Mit der Zutatenliste bin ich nicht ganz glücklich; sie erwähnt gerade einmal den Zimt explizit und spricht sonst nur von nicht näher definierten “Gewürzen”. Auf der Verpackung sieht man wenigstens Zimt und Kardamom.

Der Geschmack ist sehr nach Kakaocreme(-Aroma) und vom Zimt beeinflusst; die Schokolade ist nicht die speziellste. Immer noch wesentlich besser allerdings als die weihnachtlichen Schokoladen, die einfach nur wie Schneeflocken u.ä. aussehen.

Lauenstein Schokolade

Lauenstein Weihnachtsschokoladen

Lauenstein finde ich schon länger spannend, gibt es davon doch einiges an interessanten Kombinationen (wie die scharfe Tafel mit getrockneter Marille/Aprikose und Chilli).

Für Weihnachten gibt es drei Tafeln, soweit ich weiss.

Eine ist Spekulatius-inspiriert, hübsch mit den Mandelblättchen und etwas darübergeträufelter Schokolade, aromatisch, schmackhaft, aber ein wenig enttäuschend durch das “Spekulatius Gewürzaroma”, das den würzigen Geschmack liefert.

Lauenstein Spekulatius

Zwei der Tafeln sind mit Mandeln und Zimt gemacht. Diesmal habe ich die neuere mit einer würzigen Schicht an Mandelstiften genommen; die andere sieht weniger hübsch geschmückt aus, ist aber “süffiger” in ihrer Füllung aus Mandelnugat.

Lauenstein Zimt Mandel
Fazer Winter Edition Apfel, Karamel, Haselnuss

Fazer Winter Edition

Fazer aus Finnland produziert noch immer meine liebsten “Winteredition”-Schokoladen, auch wenn es die Weihnachtsschokolade (bzw. die Pralinen daraus) nicht mehr zu geben scheint.

(In diesen waren Gewürze, Mandeln und getrocknete Früchte.)

Es gibt allerdings immer noch eine Tafel mit Karamel und Apfel in dunkler Schokolade, die zwar nicht würzig ist, aber wenigstens einmal eine dunkle Schokolade.

Fazer Winter Edition Apfel, Karamel, Haselnuss

Üblicher in ihrer Idee, aber nur zu gut im Geschmack, ist die Piparkakku-Tafel an Milchschokolade mit Pfefferkuchenstückchen drin; mein Favorit ist und bleibt allerdings die Mandel-Cranberry-Milchschokolade mit Weihnachtsgewürzen.

Fazer Winter Edition Lebkuchen

Und hier, bei Fazer, werden auch einmal die Gewürze aufgelistet: Kardamom, Gewürznelken, Zimt, Ingwer, Muskat.

Hachez Yummy Christmas Mandelkrokant Chilli

Hachez Yummy Christmas… mit Chilli

Hachez Yummy Christmas Mandelkrokant Chilli

Mein absoluter Lieblingsfund dieses Jahr allerdings, das waren die Weihnachtspralinen von Hachez (aus Bremen).

Zwei Versionen davon waren mit Alkohol gefüllt und weniger interessant, aber die dritte Variante ist mit einem Vollmilchschokoladen-Nougat mit Mandelkrokant gefüllt… und hat als hauptsächliche Würze: Chilli.

Das fehlende Chilli

Chilli, das ist bei all diesem Reden über Gewürze das, was fehlt. Den aromatischen Gewürzen, die hier so viel verwendet werden, will ich keine Bedeutung und Besonderheit absprechen; es hat schon seinen Grund, dass sie als die feinen Gewürze angesehen werden.

Wie sehr das allerdings daher kommt, dass sie wirklich besser wären, wie sehr davon, dass Chilli meistens einfach nicht gut eingesetzt wird, bei all seinen einfachen Möglichkeiten, die “Extremisten” in Sachen Schärfe anzusprechen und nicht die speziellen Vertreter feiner Aromen… Nun, ich denke, dass ist eine Frage, um die herum noch Neues ausprobiert gehört.