Von der “Chillistadt” Xiazi könnte man schon mal gehört haben, aber von der Chiliexpo in Zunyi, Guizhou eher nicht – auch wenn sie sich als international bezeichnet.

Höchstwahrscheinlich hat man noch nicht einmal von der Provinz Guizhou etwas gehört.

Und ich muss zugeben, gäbe es Guizhou-Chillisaucen nicht im (chinesischen) Supermarkt – zumindest dem Etikett nach – so hätte ich selbst auch noch nicht davon gehört gehabt.

Guizhou

Guizhou wird dabei immer öfter in internationalen (Reise)Berichten erwähnt.

So manche Orte in der Provinz sind als potentielle Reiseziele ziemlich heftig beworben worden – und es gäbe hier tatsächlich so manches zu entdecken.

Die Landschaft in all ihrer Hügeligkeit ist fantastisch; die Provinz ist reich an Minderheiten mit so einigem an interessanten Traditionen und Handwerkskünsten.

Der buddhistische heilige Berg Fanjingshan, einziges Vorkommen der Stumpfnasenaffen, liegt hier. National Geographic machte ihn für 2019 zu einem der “Where to travel”-Reiseziele (Nr. 3 auf der Liste), seit 2018 ist er UNESCO Welterbe.

Berge an Chilli in Xiazi, Zunyi, Guizhou
Berge an Chilli in Xiazi, Zunyi, Guizhou

Chilli in Guizhou

Vergleichsweise wenig ist über das Chilli in Guizhou gesagt worden.

Es ist definitiv vorhanden; das Essen ist oft scharf.

Man muss aber schon Fachliteratur lesen, um darauf zu stossen, dass Guizhou der Schwerpunkt der Chillinutzung in China ist. Mehr als die Hälfte aller Gerichte (bzw. Rezepte für Gerichte) aus Guizhou verwenden Chilli.

Und Zunyi?

Zunyi, mit der “Chillistadt” Xiazi, ist die Handelshauptstadt des Chilli zumindest im Südwesten Chinas, wenn nicht darüber hinaus.

Ein Teil dieser Geschichte ist ihre Bedeutung als wesentliches Handels- und Verarbeitungszentrum für Chilli aus der Provinz und von weiter her. Ein Teil ist die grosse Chilli-Expo, die schon die letzten drei Jahre hier stattgefunden hatte.

Im Rahmen meiner Buchrecherchen hatte ich die Chance, diese zu besuchen.

Die World Chilli Alliance hatte einen grossen Stand dort und brachte der Expo einiges an der Internationalität, die sie sonst nur im Namen trägt.

Ich hatte die Möglichkeit – oder Verantwortung – eine Präsentation über den chinesischen Chillimarkt und dessen Internationalisierung(schancen) zu geben. Und ich konnte mich umsehen… was ich absolut tat.

Zunyi, Guizhou

Zunyi selbst ist eine typische chinesische “Klein”stadt.

Die hügelige Landschaft von Guizhou gibt ihr einen gewissen Charme; das Millennium Hotel, in dem wir untergebracht waren und der Olympische Park wären allerdings auch in europäischen Hauptstädten angebracht – oder für diese zu bombastisch – gewesen.

Zunyi: Landschaft des Olympischen Parks im Morgenlicht...
Zunyi: Landschaft des Olympischen Parks im Morgenlicht…

Xiazi “Lajiaocheng” – Chillistadt

Wie üblich hatten wir ohnehin nicht viel Zeit, etwas vom Ort selbst zu sehen. Und Xiazi, die Chillistadt, liegt im Verwaltungsgebiet, aber einiges ausserhalb.

Die Chillistadt im engeren Sinne, die ist schon nicht zu unterschätzen…

Xiazi "Chilistadt" (Lajiaocheng) von oben
Xiazi “Chilistadt” (Lajiaocheng) von oben

Auf der Chiliexpo von Zunyi

Als eines der wenigen nicht-chinesischen Gesichter wurde ich regelmässig angehalten. Fremde sind oft immer noch Objekte grosser Faszination, mit denen Chinesen Fotos wollen. Bei einer Messe wie dieser bedeutet das wirklich viele Fotos – aber die bieten immerhin auch eine Möglichkeit, mit Leuten ins Reden zu kommen, schwierig wie sich das noch immer gestaltet.

Sichuanpfeffer! Im Plural!

Gleich einer der ersten Stände, der mich für längere Zeit einbremste, weil er mich zu sehr anzug, bot verschiedene Gewürze. Darunter auch gleich einige verschiedene Varianten von Sichuanpfeffer!

Sichuanpfeffer, verschiedener Art
Sichuanpfeffer, verschiedener Art

Sichuanpfeffer hat sich als ein ziemliches Rätsel herausgestellt – und dementsprechend zu einer grossen Faszination entwickelt.

Es klingt alles so einfach, wenn man einfach nur von dem Gewürz Sichuanpfeffer spricht. Wenn überhaupt, dann halt noch in rot oder grün.

Mit diesem Stand und seinen Produkten (und anderen Erfahrungen in China) wurde allerdings augenscheinlich, dass es wesentlich mehr davon – und darüber zu wissen – gibt.

Das allerdings muss ich noch genauer ausarbeiten und wohl auf einen eigenen Bereich dieser Webseite stellen…

Der Schwerpunkt der Expo war natürlich auf dem Chilli und seinen vielfältigen Verwendungen.

Es gab Chillisaucen en masse, eingelegtes Chilli, verschiedene Snacks und auch einiges an Pflanzen und Früchten. Und Dinge, die man von alldem lernen konnte.

Chilli-Vielfalt

Gleich gegenüber von dem Stand mit Gewürzen gab es jemanden, der die von ihm angebauten Chillis zeigte.

Das war eine meiner frühesten Gelegenheiten, diese übliche chinesische Vielfalt an Chilli – und natürlich, so einige, die ich noch nicht gekannt hatte – zu sehen. Alles an einem Ort und mit Namenskärtchen…

Verschiedene Sorten an chinesischem (Guizhou) Chilli
Verschiedene Sorten an chinesischem (Guizhou) Chilli

Nur zu oft passiert in China dasselbe wie überall: Chilli in Supermärkten wird mit irgendeinem Alltagsnamen versehen, der nicht wirklich viel sagt.

Chilli auf Märkten oder in Feldern ist entweder wesentlich zu genau deklariert (mit den Namen der Sorten, die von Firmen gezüchtet wurden) – oder wird so benannt, dass es nicht hilft, verschiedene Varietäten voneinander zu unterscheiden.

Chillizucht

Wo ich schon Firmen erwähne…

Unternehmen von einigen Teilen Chinas waren hier, um die von ihnen entwickelten Chillisorten zu zeigen. Guizhou, Hunan und die Stadt Wuhan waren Standorte, die mir aufgefallen sind.

Das Chilli war, wie ich schon auf meiner ersten je in China besuchten Chilliexpo gesehen hatte, vor allem auf Grösse aus. Oder so sah es zumindest aus.

Es gibt aber (mittlerweile?) einige Vielfalt an Fruchttypen, von den üblichen langen-schlanken und den kleinen, scharfen, aufrecht-wachsenden chaotianjiao (“zum Himmel hin-Chilli”) zu immer mehr runden Typen. Grösse scheint noch immer viel zu bedeuten, zumindest einem schnellen Überblick nach.

Es gab aber auch den chinesischen fünffärbigen Chilli, mit dem meine Liebesbeziehung zum Chilli und/in China begonnen hatte, immer noch. Jetzt auch “expandiert” zu einer “siebenfärbigen” Variante.

Langes, fünffärbiges und siebenfärbiges Chilli
Langes, fünffärbiges und siebenfärbiges Chilli

Chilliprodukte

Unter den Produkten war vor allem die Vielfalt an Zubereitungen und Präsentationen bemerkbar.

Viele Unternehmen scheinen einfach nur zu tun, was sie schon immer getan haben, zum Guten wie Schlechteren.

Traditionelles…

In manchen Fällen bedeutet das die Produktion von “gebranntem” hu-lajiao oder traditionell zubereiteten eingelegten Chillis, die durch altbackene PR nur umso authentischer wirken.

In anderen Fällen sah das nur so aus, als wären die Hersteller vor Jahren stehengeblieben und würden, falls sie überhaupt noch irgendetwas verbessern wollten, bloss versuchen, Laoganma zu kopieren.

… und Modernes. Und beides.

Manche Marken allerdings hatten sehr schön modernisierte Designs, die ohne Probleme in jeden internationalen Supermarkt passen würden.

Dezhuang hatte einen Stand, fokussiert auf der Li-Chilliskala, wie üblich. Dazu wird es noch mehr zu hören geben.

Dezhuang und Li Spicy Degree

Laoganma selbst war präsent. Und deren Beispiel hat gezeigt, dass selbst altbackenes Design und ein ebensolches Produkt international reüssieren können…

Begeistert hatte mich, in Anbetracht meiner Interessen, ein Stand von Leuten aus der Miao-Minderheit, zu deren Suantangyu, sauer-scharfer Suppe für Fisch.

Zunyi Chili-Expo, Suantangyu...
Zunyi Chili-Expo, Suantangyu…

In dieser wird nämlich neben Chilli auch Sichuanpfeffer und Mujiangzi (auch als Shanhujiao, auch als Maqaw bezeichnet) verwendet… worüber ich noch immer mehr herausfinden muss.

Zunyi Chili-Expo, Zutaten bzw. Gewürze in Suantangyu
… und die Zutaten/Gewürze darin

Knollenziest, scharf

Ein wenig speziell ist das, aber eines meiner Highlights war ein Stand, der eingelegten Knollenziest im Angebot hatte.

Sauer, würzig-scharf und immer noch knackig waren die sehr gut – und eine von wenigen Gelegenheiten, wo ich dieses chinesische Wurzelgemüse, das in meinem Garten wächst, in China gesehen habe.

Ich habe Knollenziest schon vor Jahren angebaut, aber nie herausgefunden, was man in China eigentlich traditionell damit macht…

Zunyi Chili-Expo, Knollenziest
Zunyi Chili-Expo, Knollenziest

Xiangcuijiao und andere Chilli-Crisp

Ein anderes meiner Highlights waren die Snacks aus frittierten Chilli, die ein Saatgutunternehmen hier frisch anbot. Darunter war nämlich nicht nur das Xiangcuijiao Chilli-Crisp, an das mich ein Besuch der Hongya Cave in Chongqing erinnert hatte, sondern auch Xiangsujiao… äh, Chilli-Crips.

Hier fehlen die Worte etwas; cui und su werden beide als “crisp”, knackig übersetzt, aber cui hat etwas mehr Knackigkeit, su ist eher blättrig.

Beide werden aus rotem Chilli gemacht, das mit Sesam und – wie ich dort endlich herausfinden konnte – Reismehl gefüllt bzw. umhüllt und dann in heissem Öl frittiert wird. (Mehr dazu in Kürze.)

Offizialitäten…

Ein Einblick, mit dem ich nicht gerade langweilen möchte, der aber auch ein Teil dieses Besuchs war: Wie solche Expos eigentlich, im Hintergrund, funktionieren, wenn man wirklich einer der Teilnehmer ist. Und wie ich das war.

Eröffnung

Gleich die erste Notwendigkeit war die Teilnahme an der langen Eröffnungszeremonie. Gefühlsmässig dauerte diese Stunden, in praller Sonne.

So lange wird es wohl nicht gewesen sein, aber 1,5 Stunden waren es leicht.

Eröffnungsreden, Glückwünsche… und gemeinsam mit Herrn Li von der Dezhuang-Gruppe und (hier) als Asien-Präsident der World Chilli Alliance war ich selbst auf der Bühne, um Zunyi deren Plakette zur Ernennung als unsere (erste) “Chilli-Hauptstadt” zu verleihen.

Offizielle Treffen

Von der Expo ging es für Generalsekretär der WCA (und Manager von Dezhuang International) Gianluca Luisi und mich in Windeseile zurück in die eigentliche Stadt Zunyi. Dort trafen er, ich und Herr Li uns nämlich mit Repräsentanten von Zhecheng in Henan, einer anderen wichtigen Stadt in der (chinesischen) Welt des Chilli, welche wir später im Jahr noch besuchen sollten.

Seminar/Forum

Und es gab noch andere offizielle Treffen/Dinner… und natürlich das Seminar/Forum über Chilli-Märkte und -Marketing, zu dem ich eine Präsentation beitrug. Von der es hinaus zu Medieninterviews ging. Und zu organisatorischem für unsere internationalen Gäste.

Gespräche und Kontakte

Gerade einmal vor Mitternacht schafften Matt Gross (Journalist, Autor, jetzt Produzent der – hoffentlich – zukünftigen Chilli-Dokuserie “Hot Pursuit”) und ich es endlich zu einem Gespräch.

Er war mit uns in Kontakt getreten, weil er die Chilli-Expo hatte besuchen wollen – und wir eine der wenigen Organisationen waren, die überhaupt irgendetwas über die diesjährige Ausgabe der Expo angekündigt hatten.

Wie es geklappt hatte, dass er rechtzeitig alle notwendigen Dokumente bekam, um auf unsere Einladung hin nach Zunyi zu kommen – mit einem Visum, das am Tag vor der Eröffnung in Hongkong beantragt und genehmigt worden war (während meine bürokratischen Probleme eine geradezu unendliche Geschichte waren), das geht mir noch immer nicht so ganz in den Kopf.

Mit ihm wie mit anderen Leuten auf der Expo in Kontakt zu kommen war es aber schon alleine wert.

Und weg…

Am nächsten Tag, da ging es sehr früh schon wieder retour nach Chongqing, für ein Chilliseminar das wir dort schnell organisiert hatten, wenn wir schon (internationale) Einblicke vermitteln konnten.

Für einen Blick auf das Chillifeld in Zunyi, auf die alltägliche Operation in der Chillistadt Xiazi, dafür werde ich wohl noch einmal nach Zunyi müssen!