Baumblätter zum Essen, das geht mit Linde, macht man mit Moringa, aber in der chinesischen Küche bei Chun (Xiangchun), auch bekannt als “Chinesischer Gemüsebaum“.

Botanisch gesehen ist dieser Chun die Art Toona sinensis; früher war er auch als Cedrela sinensis benannt worden.

Zugegeben, besonders interessant finde ich das schon alleine darum, weil es einfach zu meinem AustroHunan-Ansatz passt, zu der Mischung von Pflanzen und Küche und Anbau zwischen da und dort.

Chun ist in China ein typisches Frühlingsgemüse.

Schon sein Name klingt so wie das chinesische Wort für Frühling; das Schriftzeichen beinhaltet jenes für Frühling ebenso.

Und im Frühling ist Chun eben am Austreiben und damit schnell bereit zur Ernte.

Ganz so schöne Bündel an frischen jungen Trieben, wie man sie in China dann am Markt findet, bekomme ich leider nicht von meinen Pflanzen.

Nutzbares aber durchaus

Gartenerfahrung / Wuchs

Ich habe aber immerhin zwei Chun in meinem Garten am Wachsen, einen schon etwas älter und grösser, den anderen erst seit kürzerem, aber gut wüchsig.

Über Wuchsfreude kann man sich bei diesen Pflanzen ohnehin nicht beklagen; sie erinnern nicht nur in ihrem Wuchs und in ihrer Blattform an Ailanthus (“Götterbaum”), sie wachsen auch ähnlich schnell wie dieser.

(Zu) Schneller Wuchs

Damit einher geht allerdings, dass sie mit sehr schlanken und langen Trieben steil nach oben wachsen. Man müsste sie zum Beernten also regelmässig und ziemlich radikal kappen.

Oder man hat Bäume, die ziemlich bruchanfällig sind. Ich muss mich hier auch korrigieren; ich meinte, dass mir noch nie Äste abgebrochen wären, das geschieht aber doch regelmässig.

Blattwurf und Frost

Was ich noch seltsameres erlebt habe, das ist, dass Chun durch irgendwelche Probleme seine Blätter verloren hatte, sich wieder beblätterte… und seine Blätter (dann) im Herbst nicht abgeworfen hatte, sondern sie erst vom Winterfrost abgefroren wurden.

Frosthärte ist, den starken Frösten der letzten Winter nach zu schliessen, aber jedenfalls kein Problem; -20C haben die Bäumchen im Garten schon überstanden und anstandslos wieder ausgetrieben. (Na ja, ausser vielleicht, dass die äussersten Spitzen abgefroren waren.)

Ausläufer?

Der zweite Baum im Garten – aber interessanterweise nur dieser, nicht der andere, ältere – hat inzwischen auch recht stark damit begonnen, per Wurzelschösslinge neue Pflanzen zu bilden.

Die meisten davon sind gleich in der Nähe, zwei allerdings auch in einiger Entfernung.

Spannend, das alles.

Rückschnitt?

Was ich noch immer nicht so ganz herausfinden konnte, dass ist, wie man mit Xiangchun-Bäumen am besten umgeht.

Meine Frau sagt, in China würden sie wachsen gelassen – aber dann brechen die überlangen Äste entweder ab oder man hat neuen Austrieb in einer Höhe, in der man ihn einfach nicht mehr ernten könnte.

Oder werden durch das Abernten im Frühjahr so viele Triebe entfernt, dass die Pflanze durch dann nachkommende Triebe (weiter unten) buschiger wächst?

Ein Rückschnitt jedenfalls scheint grossteils möglich, führt aber dazu, dass so manches Holz dann abstirbt und erst weiter unten gelegene Knospen neu austreiben.

Wüchsig genug scheinen die Pflanzen ja zu sein, dass man mit ihnen alles mögliche probieren bzw. anstellen kann; den wirklich besten Weg habe ich aber noch nicht ermitteln können.

Kulinarische Nutzung

Xiangchun, der “aromatische/duftende Chun” ist aber auch darum besonders interessant, weil er nun einmal ein spezielles Aroma besitzt.

Oft findet man eine Beschreibung desselben als ähnlich wie Röstzwiebeln, was es ganz gut trifft.

Die Blätter werden zu ihrer Verwendung zuerst blanchiert. Manchmal wird behauptet, dass würde gemacht werden, weil sie sonst giftig wären, das wird aber von keiner wissenschaftlichen Literatur bestätigt. (Die ist allerdings auch nicht gut darin, über die kulinarischen Verwendungen zu berichten.)

Dafür wird bestätigt, dass Chun-Blätter reich an Vitamin E und Ascorbinsäure, Calcium und Eisen sowie an Protein sind.

Zwei typische Rezepte verwenden Xiang Chun gemeinsam mit Ei oder mit Huhn