Am Weg hinaus aus Kyoto, zurück nach Tokyo, war ein letztes Essen in der Stadt nötig…

Shinpuku Saikan liegt nahe dem Bahnhof, so dass es eine schöne Möglichkeit bot, einen letzten Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen.

Das ganze eine Strasse hinunter, die ich erkunden wollte, weil dort ein Tempel zu sein schien – und wie sich herausstellte, tatsächlich alle paar Schritte weitere Tempel und Schreine lagen.
Weiter südlich ging es entlang einer wesentlichen Verkehrsachse, in einen Teil der Stadt, der sich industrieller, geradezu ein wenig heruntergekommen, anfühlte als alles, was ich bisher von Kyoto gesehen hatte.
Dann ging es hinüber Richtung Bahnhof – und ich war dort und musste noch einmal einige Schritte zurück.

Nicht nur die Umgebung, selbst das Lokal selbst erinnerte mich etwas an die “Loch-in-der-Wand”-Nudelläden, die ich aus China kenne.

Menü über der Theke (und vor dem Eingang, für die eher touristischen Gäste), eher abgestandene Tische, billige Stühle, alltägliche Kundschaft.

Shinpuku Saikan

Shinpuku Saikan

Jemand wurde fertig und für mich schnell ein Plätzchen frei.

Die vier jungen Leute am Nachbartisch, drei Männer und eine Frau, versuchten sich an einer Konversation mit mir. Ein Mann am nächsten Tisch nahm es auf sich, immer mal wieder zu übersetzen.

Wäre ich eine andere Art von Person – vor allem, eine die trinkt – wäre Alkohol geflossen. Bier hatten die vier schon vor sich; Sake wurde vorgeschlagen und, als ich sagte, dass ich nicht trinken würde, bloss wieder verworfen, weil es doch etwas zu früh dafür wäre.

Ich hatte gar nicht erwartet, dass schon geöffnet wäre, aber das Geschäft lief schon prächtig.

Das Essen

Hier ist das Ramen ein Shoyu-Ramen. Also, basierend auf Sojasauce.

Recht schnell (fertig) gemacht ist das ein Ort für Esser. Für Salarymen auf dem Weg in die Arbeit. Oder für richtige Arbeiter.

Meine Bestellung kam auch schnell; nur ein einfaches take-iri shoyu ramen. Ramen mit dem üblichen Schweinefleisch, aber auch mit Bambussprossen.

Take-iri shoyu ramen, Shinpuku Saikan

Take-iri shoyu ramen, Shinpuku Saikan

Heiss, nicht wirklich scharf aber aromatisch und leicht selbst extra gewürzt (wenn man das will), kohlehydratreich und mit genau der richtigen Fettigkeit – das war eine wirklich gute Schale Ramen.

Keine Sorge. Ich bin immer noch ein Snob, wenn es um Matcha und Chilli und Sansho und die Notwendigkeit, sich mit diesen besser zu beschäftigen, geht.

Aber ich schätze ein herzhaftes Essen für hart arbeitende und es leicht nehmende Leute mindestens ebenso wie etwas besonderes und “klassiges” (zumal, wenn man bedenkt, dass damit oft eine gewisse Abgeschlossenheit einher geht).

Am Tisch in Shinpuku Saikan

Hier zeigt sich schon am Tisch, dass der Laden für gewöhnliche Leute da ist…

Tatsächlich soll Shinpuku Saikan einer der wesentlichen Mitspieler am Schlachtfeld des Ramen-Wettbewerbs sein – lustigerweise gemeinsam mit dem Ramen-Shop der gleich nebenan liegt, Honke Daiichi Asahi.

Ich bin mir nicht sicher, was es war; es würde mich nicht wundern, wenn ich den Geschmack von Shoyu Ramen beim dritten Mal schon nicht mehr mögen sollte. Das war jetzt aber jedenfalls das meiner Meinung nach beste Ramen, das ich in Japan hatte.

Das simple Aroma und die klare Brühe, die die Sojasauce diesem Ramen gibt, hat mich einfach angesprochen – und es ist anscheinend nicht halb so simpel, wie es erscheint.

Es heisst, die Suppe dafür wäre aus Huhn und Schwein gemacht, die überraschend dunkle Färbung von der “Sauce” ist nicht einfach eine Sojasauce aus Kyoto, sondern soll nach geheimer Rezeptur mit einer ebensolchen hergestellt werden.

Das Ramen sieht stark-aromatisch-dunkel aus, ist auch höchst aromatisch, aber hat einen gar nicht so intensiven Geschmack. So viel besser als die über-gehypte “Verbranntes Miso”-Ramen von Gogyo Ramen. (Entschuldigung, aber ich finde es immer noch nötig, dagegen zu wettern.)

Und es war definitiv früh genug am Morgen und kühl genug, dass so eine Schale Nudeln ohnehin genau richtig war.

Im jetzt-daran-denken macht es mich  geradezu nostalgisch nach dem Nudelladen, den meine (Jetzt-)Frau und ich damals in China oft aufsuchten. Eine alte Frau hatte den in einem Platz eingerichtet, der sonst wohl wirklich eine Art Garage am Erdgeschoss ihrer Universitätswohnung war… und sie machte gute Nudelsuppen.

Wird wohl Zeit, mal wieder selbst Lamian/Ramen zu kochen 😉

Grundlegende Informationen

Name: Shinpuku Saikan
(auf Japanisch: 新福菜)

Preise: 800-2000 JPY

Geöffnet Donnerstag bis Dienstag 9:00 – 22:00 Uhr,
Mittwoch geschlossen

Wenige Plätze; Wartezeit zu erwarten.

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