Chilli in der Archäologie

6000 Jahre vor heute wurde Chilli neuesten Forschungen zufolge bereits an verschiedenen Orten in Süd- und Mesoamerika in domestizierten Formen angebaut (Perry et al. 2007*).

Überreste von Chilli die man schon länger kannte sind schon ab dem 7. Jahrtausend BCE aus Ausgrabungen im Valle de Tehuacan, Puebla (von Richard MacNeish) belegt.

Weitere Hinweise auf die Bedeutung finden sich etwa in Ortsnamen (wie der Glyphe für Monte Alban) und in der Bedeutung von Chillis als Tributzahlung.

Von Archäologie zu Historie

Chilli war verständlicherweise ein wichtiges Handelsgut; de Sahagun beschreibt in seiner Historia General de las Cosas De Nueva España (Codex Florentino) den Chillihändler als einen der wesentlichen Berufszweige, mit einem Angebot wei folgt:

"milde rote Chillis, , breite Chillis, scharfe grüne Chillis, gelbe Chillis, cuitlachilli, tenpilchilli, chichioachilli ... Wasserchilli, conchilli ... geräucherte Chilli, kleine Chilli, Baumchilli, dünne Chilli, solche wie Käfer ... grüne Chillis, spitze rote Chillis, eine späte Sorte, solche von Arzitziuacan, Tochmilco, Huauxtepec, Michoacan, Anauac, der Huaxteca, der Chichimeca."

Interessant ist, dass in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen wird wie schlechtes Chilli aus feuchten Gegenden stammt und daher nicht gut (wortwörtlich) brennt...

...Was darum auffällt, weil Chilli offenbar nicht nur im Mund brennen sollten, sondern auch zu anderen Zwecken verbrannt wurden, etwa in der aztekischen Oberschicht als Mittel der Kindererziehung, aber auch als ein Kriegsmittel um Gegner auszuräuchern.

In Südamerika gibt es ebenso wie in Mesoamerika auch rituelle Bedeutungen von Chiles, wobei zum Teil nur spekuliert werden kann, welche das (gewesen) sein könnten. Insbesondere gilt dies für die Darstellung von Chillis (und eben anderen Motiven aus der Naturwelt des Tieflands) auf der Tello-Stele (sh. rechts), die schliesslich eine religiöse Bedeutung gehabt zu haben scheint.

Andere Verwendungen sind leichter zu beschreiben, aber auch nicht leicht verständlich:

  • Chilli wird zu verschiedensten rituell verwendeten Mitteln, z.B. Tabak (bei Verwendung als Schnupfpulver), Ayahuasca, Coca, etc. hinzugefügt.
    • Möglicherweise liegt ein Grund dafür in der durchblutungssteigernden Wirkung (weil dadurch die übrigen Substanzen besser aufgenommen werden);
    • möglicherweise wäre der Grund aber auch in einer spirituellen Bedeutung zu suchen.
  • Umgekehrt soll Chilli aber bei den Waorani-Indianern in der Amazonasregion von Ecuador von den Frauen verwendet werden, um Männer die zu viel an Ayahuasca erwischt haben (aber endlich wieder arbeiten sollen) nüchtern zu machen (Rätsch 1998).


Nicht unerwähnt bleiben soll, daß im brasilianischen Candomblé und Santería eine Beziehung zwischen Orixas (Gottheiten) und Chillis besteht. Viele der Opferspeisen, z.B. für Ogun, der für Eisen, Stärke und Krieg steht, müssen selbstverständlich mit Chilli zubereitet werden. Die normalen Speisen aus Bahia (Brasilien), wo diese Religionen weit verbreitet sind, sind allerdings im allgemeinen stark mit Chilli gewürzt.

Literatur:

de Sahagun, Fray Bernardino. Historia general de las cosas de la Nueva Espana (Codex Florentino)

Linda Perry, Ruth Dickau, Sonia Zarrillo, Irene Holst, Deborah M. Pearsall, Dolores R. Piperno, Mary Jane Berman, Richard G. Cooke, Kurt Rademaker, Anthony J. Ranere, J. Scott Raymond, Daniel H. Sandweiss, Franz Scaramelli,
Kay Tarble, James A. Zeidler. 2007. Starch Fossils and the Domestication and Dispersal of Chili Peppers
(Capsicum spp. L.) in the Americas. Science 16 February 2007: Vol. 315. no. 5814, pp. 986 - 988

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