Bambus, zum Fressen gern

Ein weiteres Zeichen des Frühlings, neben Toon: die Bambussprossen die nicht nur in den Hainen, sondern auch am Markt, erscheinen. Und ihren Weg in die Küche machen. Noch dazu scharf.

Bamboo Shoots

Bamboo, ready to cook

Die Blätter (die um die Sprossen gewickelt sind) werden meist schon vor dem Verkauf etwas entfernt; die Sprossen werden gewaschen, kleiner geschnitten und in einem Topf mit getrocknetem Chilli und Sichuanpfeffer, in Wasser das man genutzt hat, um Reis zu waschen, gekocht bis sie weich sind (ca. 30 Minuten).

Fertig gekocht werden sie abgeseiht, die Pfeffer entfernt, und sie werden zusammen mit frischem Chilli und etwas Fleisch (und, wenn gewünscht, in Streifen geschnittenen Shiitake-Pilzen) gebraten.

Hot Bamboo Shoots

Frühling am Teller

Der Frühling (春, chun) ist im Anmarsch, und mit ihm kommt “toon,” was eine Verballhornung des Wortes 椿, chun, ist – wie man am Schriftzeichen erkennen kann, “der Baum des Frühlings”.

Falls das irgendwie nach etwas aussieht, was man von einem Baum hinunterschneiden würde – genau das ist es. Damit ist es auch, selbst unter Chinas eindrucksvoller Vielfalt an grünen Blattgemüsen, eine Besonderheit. Aroma und Geschmack sind einzigartig, recht stark aber angenehm. Daniel Rühlemann beschreibt Toon als “Maggi-Kraut auf asiatisch” (und von Rühlemanns gibt’s die Pflanze auch zu kaufen).

Toon-Blätter werden nicht nur frisch, sondern auch konserviert verwendet. chun-preserved-small Dazu werden die Blätter klein gezupft, leicht gesalzen und dann in der Sonne getrocknet. Verwendet wird das ganze ähnlich wie die frischen Blätter; manche essen dies auch gerne als Snack…

“Rezepte”

Toon-Omelette:

Man schneide einige der Blätter (mit Stiel) klein, gebe sie in eine Schüssel, füge 1-2 Eier hinzu und schlage sie. Leicht salzen. Ausreichend Öl in einer Pfanne (einem Wok) erhitzen bis ziemlich heiss, die Ei-Toon-Mischung hinzufügen und beidseitig braten bis durch.

Würziger Toon mit Schwein:

Man schneide etwas Toon,Schweinefleisch und Chilli.
Fleisch in etwas Öl braten bis knapp durch, Chilli und Toon hinzufügen, braten bis das Fleisch etwas gebräunt ist. Geniessen.

[Ein kleiner Warnhinweis: Chilli anzubraten ist typisch für die Hunan-/Xiang-Küche. Dabei ist es ratsam... nun ja, sich daran zu gewöhnen. Und es nicht in Gemeinschaftsküchen zu versuchen die man mit anderen, vielleicht empfindlichen, Personen teilt. Niesanfälle sind ganz normal. Hier gibt es mehr zum Thema Chilli-Feuer zu lesen.]

Konservierter Toon mit geräuchertem Huhn

Man schneide Stücke vom geräucherten Huhn ab und (falls nötig) klein; zerkleinere ein wenig frisches, scharfes Chilli (rot) und nehme etwas konservierten Toon.

Alles zusammen auf nicht zu grosser Flamme braten bis das Huhn leicht knusprig ist, am Ende mit ein wenig Wasser kurz kochen (für ein wenig Sauce und um die Aromen zu verteilen).chun-smokedchicken

Fertig.

[Das ist natürlich kein Rezept für den europäischen Alltag – ich sage nur: Räucherhuhn?!? - aber es lässt sich auch mit frischem Hühnerfleisch machen. Dann gehórt etwas Salz dazu und wird es gut sein, das Hühnerfleisch zuerst anzubraten.]

Hoppla

Ach du schande, da hatte ja ein Wiener eine ähnliche Idee wie der Londoner:

“Beinahe-Evakuierung wegen Chillischoten
Wien, 03. Oktober 2007
Ein Kg Chillischoten war der Grund für die Beinahe-Evakuierung eines Hauses in Wien. Ein Bewohner wollte das Gemüse in der Mikrowelle trocknen.”

Atemschutz und Hochleistungslüfter wurden nötig….

Quelle: http://www.oe24.at/zeitung/oesterreich/chronik/wien/article138645.ece

Was eine Nachricht!

“Burning chilli sparks terror fear”

A pot of burning chilli sparked fears of a biological terror attack in central London. [The dish uses extra-hot chillies which are deliberately burnt.]“

von: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/london/7025782.stm

Ja, ja, mein berühmt-berüchtigtes Beispiel für das einfachste Herstellen von “Kampfgas”:
Chilli in die Mikrowelle.

Gerade noch…

Freitag in einer Woche geht’s ab nach Lettland, das Chilli (jedenfalls im Garten) muss dann für sich kämpfen. Nun gut, nicht ganz, aber zum Testen komme ich dann natürlich nicht (für Betreuung ist gesorgt).

Gerade noch rechtzeitig werden ein paar der Sorten die mir dieses Jahr wichtig waren/sind – Chillis aus Bhutan – nun noch reif. Sollte sich also noch ausgehen, auch reife Früchte zu fotografieren und sie einem Geschmackstest zu unterziehen. – Ergebnisse sollten dann als Dokumentation auf der betreffenden Website landen (Capsicum: Chilli im Himalaya).

Wie wohl schon mal gesagt: Mal sehen was/ob man Capsicum in Lettland findet. Wahrscheinlich nicht so glorreich, es ist eher eine Gegend für Tomaten, aber mal sehen…

1. Mai bei Arche Noah

Arche Noah – Verein zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt – in Schiltern hielt am 1. Mai wieder einmal den mittlerweile schon traditionellen Pflanzenverkauf und Tauschmarkt (und wie 2006 gab es auch dieses Jahr schon am Wochenende davor den Verkauf mit praktisch dem ganzen Angebot).
Wieder einmal war ich als Helfer dort, und die Erfahrungen sind immer wieder faszinierend:

Wieder einmal war eine der wesentlichen Fragen jene nach dem schärfsten Chilli das im Angebot wäre. Habanero ist inzwischen einigermaßen bekannt, Scotch Bonnet aber schon nicht mehr. Und selbst was Habanero ist, muss man vielen erst einmal noch erklären. Im nächsten Jahr findet man dafür Leute, die Habanero inzwischen kennen aber den Geschmack eigentlich gar nicht mögen. “Das schärfste” ist halt doch nicht alles ;-)

An zweiter Stelle der Beliebtheit folgt die Frage nach grünen Paprika.
Inzwischen die Standardantwort: Nehmen Sie, Sie können nicht falsch liegen.
(Unreifer Paprika ist grün, so gut wie jede Paprikasorte reift rot oder gelb – manche reifen schokoladenbraun, in neuen Zuchtsorten sogar violett. Eine neue Sorte bleibt grün – aber was bitte soll der Sinn darin sein?)

Die wahrscheinlich beliebteste Frage ist die nach Pfefferoni die scharf aber nicht zu scharf sind… Wirklich etwas wonach man noch weiter suchen sollte. Meist haben gerade die mittelscharfen Sorten die Neigung, entweder gar nicht scharf oder doch fürchterlich scharf zu schmecken, je nachdem was man gerade gewöhnt ist und welche Bedingungen die jeweilige Pflanze – wenn nicht sogar Frucht – während ihres Wachstums erfahren hat.

Der neueste Punkt dieses Jahres war die Erkenntnis, dass so manche Leute inzwischen von der Verkreuzungsgefahr bei Capsicum gehört haben. Allerdings dachten einige, diese würde sofort wirken. Sprich: Man pflanzt eine Chilli neben einer Paprika. Sie bestäuben sich gegenseitig. Man erhält – noch in der selben Generation, bei den Früchten auf diesen Pflanzen – eine Mischung aus beiden.
Bitte, wie war das noch mal mit den Blümchen und den Bienchen?!
(Das “Kind” der Pflanze sind die Samenkerne, die Frucht ist nur eine Art Anregung zum Transport der Samen – dementsprechend kommt das Ergebnis der Kreuzung natürlich erst dann zum Tragen, wenn aus den Samen wieder eine Pflanze wurde und diese Früchte trägt… Natürlich kann auch jetzt nicht ganz die gewünschte Eigenschaft herauskommen, aber nur wenn es in der Elterngeneration der jetzigen Pflanze zu einer Kreuzung kam.)

Aber, immer wieder eine interessante Erfahrung, und schön zu sehen dass es einiges Interesse am Capsicum gibt. Kommendes Jahr wird es wohl, durch den Studienaufenthalt in Lettland, nichts mit solcher Mithilfe werden…