Immer noch der Kaviar unter den Chili…

Weil es mir einfach zu gut gefällt – und ich gar nicht mehr wusste, dass ich auch noch diese zweite (originalere) Form in meinem Anbau vertreten hatte – gehört es mal wieder gesagt: Chiltepin ist immer noch der wahre Kaviar unter den Chili 😉

Die „Sorte“ „Kaviarchili“ ist gerade in aller Munde – oder eigentlich ja nur dieser Name, nicht das Früchtchen.

Und es ist mal wieder ein nur zu gutes Beispiel für die Probleme mit Sorten

Auf der Suche nach dem perfekten Chilli

Beschäftigt man sich näher mit dem Essen, hat man schnell einen komischen Ruf weg.

Klar, es ist „in“, gerne scharf zu essen. Ein Besuch beim Japaner ist nichts besonders ungewöhnliches mehr. Man fragt sich eher, ob sich nicht auch schon die Burschenschafter schnell einmal einen Döner-Kebab reinziehen, ohne damit irgendwelche kulturell-‚rassischen‘ Probleme zu haben.

Umgekehrt aber hat man als Kritiker der „Hauptsache viel und billig“-Mentalität immer noch seine Probleme.

Nun gut, eine Klarstellung: Es gibt die passende Zeit für so ziemlich alles. Es muss längst nicht immer Bio und Gourmet sein, auch schon simple Palatschinken oder Kartoffeln und Speck haben so einiges für sich. Wer sich aber keinen Deut um sein Essen schert, seine Palatschinken aus der Flasche („nur Wasser hinzufügen“) oder dem Tiefkühlregal beziehen muss und dabei auch noch glaubt, ganz normal zu sein – der spinnt.

Es kann doch nicht sein, dass man sich nicht darum kümmert, womit man sich selbst nährt, ganz wesentlich seine Gesundheit und Gefühlslage bestimmt und sich die elementarste Freude am Leben gibt.

Beim Chilli ist die Lage besonders fürchterlich, obwohl sie besonders schön sein könnte.chiltepin-picking

Es gibt Spuren einer Sorge um Sorten und ihre besten Verwendungen, aber ihre steigende Beliebtheit hat alles dazu gebracht, sich im wesentlichen nur noch um das Thema Schärfe zu drehen. Scharfe Saucen sind ein Wachstumsmarkt, aber das Chilli wird damit nur zu einem weiteren Massenprodukt. Meist ist es nicht einmal das Chilli, das zum Produkt wird, sondern nur das Capsaicin und der industriegefertigte Geschmack von „Chilli“. Es ist eine Schande.

So wütend schreibe ich nicht einfach, weil es mir besonderen Spass macht, sondern weil ich mich immer mehr an dem Herangehen orientiere, welches man in Japan den shokunin zuschreibt. Shokunin, das sind Handwerker, die sich voll und ganz ihrem Metier verschrieben haben und dieses mit Hingabe hin zur Perfektion treiben wollen, so wie Katsuji Daibo mit Kaffee, Ono Jiro mit Sushi

Meine Aufmerksamkeit auf den Chiltepin lässt sich nicht anders als mit solcher Obsession erklären.

Die Pflanze und Frucht ist nicht gerade aufmerksamkeitsheischend. Erst wenn man sich intensiver mit ihr beschäftigt, erschliessen sich ihre besonderen Qualitäten. Und selbst dann bleibt sie eine der schwierigeren unter den Chilli.

Darum wird ihr erst recht Achtsamkeit zugebracht, wie jene einer Person, die gerade eine Teezeremonie durchführt. In jedem einzelnen Schritt:

Lange bevor die Temperaturen im Freien wieder zu steigen beginnen, wird im warmen Innenraum der Same zum Keimen gebracht.

Einzeln wird jedes Pflänzchen in den vorbereiteten Boden versetzt.

Die Wachstum- und Blühphasen werden sie, geschützt aber nicht kontrolliert, in Ruhe gelassen um sich nach eigenem Tun und Lassen zu entwickeln.

Die besten der Beeren werden individuell, in Stunden konzentrierter Arbeit, gepflückt.

Sonnengetrocknet werden die Früchte noch ein zweites und drittes Mal handverlesen.

Und die Arbeit wird weitergehen, über die Jahre und die Ernten. Landsorten werden sich dabei aus ihrer ursprünglichen Form in andere Richtung, passend für ihre Nutzung und verändert durch die lokalen Bedingungen und die sorgsame Auswahl, entwickeln.

Es ist ein Aufwand, der sich in finanzieller Hinsicht nicht annähernd lohnen kann. Aber es ist eben auch eine Variante an Chilli, die ihre Besonderheit und ihre Qualitäten hat, für die sie es wert ist, mit Sorgfalt gepflegt zu werden. Es zahlt sich aus, auf andere Art. Nicht zuletzt, weil sich die Aufmerksamkeit auf spezielle Qualitäten auch auf andere Sorten, scharfe Gewürze und ihre bestmögliche Nutzung erstreckt.

Ein-Blick in den Anbau 2012: 17 Tage später

Ein neuer Blick in den Folientunnel für den ChiliCult’schen Anbau bei Erich Stekovics.

Es waren zwar nur 17 Tage, die seit dem letzten Blick vergangen sind, aber es war offenbar (grossteils) eine gute Zeit – erste Blütenknospen bis hin zu ersten Früchten, wesentlich grössere Pflanzen… tatsächlich wäre es höchste Zeit, den Pflanzen etwas Unterstützung zu bieten…

Ein-Blick in den Anbau 2012: ChiliCult @ Stekovics…

Viel (?) habe ich schon über den Chillianbau dieses Jahres geredet, aber noch immer viel zu wenig davon gezeigt. Dabei ist es einiges an Sorten, Anbau teils im Garten in Parndorf, teils in einem der Folientunnels von Erich Stekovics, den dieser dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat…

Hier nun also ein erster Video-Einblick, mit Szenen des Wegs hinüber nach Frauenkirchen und hinaus aufs Feld, sowie einer Führung (diesmal, auf Englisch) entlang der Sorten im Folientunnel: