Von Parkour zu Bibimbap

Da ging ich also zu einem Parkour-Treffen auf der Donauinsel, und gelandet bin ich auch unter jener Gruppe Koreaner, die als Bibimbap Backpackers / 100 Bibimbap Tables um die Welt unterwegs sind, um koreanisches Essen bekannter zu machen…

Wir (meine Frau und ich) hatten in China immer wieder koreanisch gegessen, es war also eine nette Erinnerung. Bibimbap ist auch einfach genug, um ein guter Einstieg zu sein: Reis mit (faschiertem) Rind oder anderem Fleisch und Julienne von Gemüsen, mit etwas gemahlenem weissem Sesam und Gojuchang, der koreanischen Chillipaste (die schon alleine wegen ihrer sämigen Konsistenz sehr interessant ist).

Bibimbap TableBibimbap, adding gojuchangNett. Jetzt zur verstärkten Promotion echten chinesischen Essens – wir sind fleissig am Kochen (und im Garten tut sich auch ein bisschen was) ;)

Niangao, Isolierung gegen die Kälte

Wie schon früher geschrieben, gibt es typische Frühlings-Essen in China. Eigentlich gäbe es solche auch für den Sommer, Und dann wäre da noch der Winter. Die Winter in Hunan sind nur zum Zittern, regen vielleicht zum Jammern an, aber nicht gerade zum kreativen Schreiben.

Wahrscheinlich wiederhole ich mich, aber Winter in China ist eine lehrreiche Erfahrung. Man lernt eine Menge über Energieverbrauch und Lebensstil: Südlich des ChangJiang (Yangtse) gilt China als subtropisch, also ohne Bedarf an Heizungen. Es gibt heutzutage verschiedene Wärmelampen und dergleichen, seit früheren Zeiten gibt es Kohleöfen, aber die Häuser sind nicht gerade isoliert. Man “isoliert” sich also vielmehr selbst, mit Gewand, man trägt eine Wärmeflasche mit sich herum – und man isst passend. Continue reading

Raches Torte – Ankündigung

Mein Projekt des Jahres, nachdem es wieder nach Österreich zurückgeht und dementsprechend wieder ans Experimentieren gehen sollte: Raches Torte.

Schokoladetorte, eventuell verschärft mit etwas (Chocolate?) Habanero – was ich früher schon öfter für Brownies verwendet habe – und mit Chili-Marille-Füllung (Chili-Marille von Erich Stekovics wohl). – Sacher war gestern ;-)

Nur zur Vorfreude, und um später einmal sagen zu können, dass ich das schon zu ebendiesem jetzigen Zeitpunkt geplant habe ;-)

Weckruf

Frühstück in Hunan ist eine heisse Sache…

Okay, man wird schon gefragt, ob man denn nun scharf esse oder nicht, aber viele Speisen sollten eigentlich schon scharf sein – und aus gutem Grund: insbesondere in diesen kälteren Tagen (und Monaten) des Jahres braucht der Körper etwas Warmes und Würziges. (Vergessen Sie nicht, dass hier ist Chinas subtropischer Süden, hier gibt es in einer normalen Wohnung darum keine Heizung!)

Frühstücks-Nudelsuppe

Frühstücks-Nudelsuppe

Ein Ort, den ich immer wieder besuche, ist die kleine Garage/Nudelküche der Nachbarschaft. Normale flache Reisnudeln (米粉), runde Reisnudeln (ähnlich dicken Spaghetii, 圆粉), Nudeln (面条) und, zumindest manchmal, hundun (wonton, 混沌) sind alle im Angebot, die Brühe ist offensichtlich selbstgemacht, und die Suppe wärmt und nährt aufs beste. Die Suppen (oder eigentlich Nudeln) werden normalerweise schon für sich mit etwas Chilli zubereitet (vor allem die HunDun); man selbst kann noch eingelegten Rettich (萝卜) mit Chillipfeffer oder die chinesische Version von Sauerkraut (die ein wenig etwas anderes ist; 酸菜) hinzufügen.

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Natürlich gäbe es fürs Frühstück auch baozi (包子), chinesische Dampfbrötchen, und schon in diesen alleine zeigen sich die Unterschiede zwischen verschiedenen regionalen chinesischen Küchen: 辣肉包 (laroubao, ein baozi mit scharfer Fleischfüllung) in Shanghai heisst vielleicht auch so, ist im Vergleich zu jenem in Hunan aber überhaupt nicht scharf; dasselbe gilt auch für 麻辣豆腐包 (mala doufu bao, baozi gefüllt mit scharf-betäubendem Tofu).

In Hunan gibt es sogar eine 辣椒卷 (lajiaojuan), ein “Chilipfefferröllchen” – im Bild unten. Darüber ist ein doufubao dessen scharfe Füllung sich schon durch die Teighülle zeigt…

Tofu Baozi und LaJiaoJuan (Chilipfeffer-Rolle)

Tofu Baozi und LaJiaoJuan (Chilipfeffer-Rolle)

“Street Food” in Österreich

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Bei all der Faszination mit Exotik vergisst man gerne, wenn auch das eigene Land etwas so ähnliches hat – Street Food, Essen auf der Strasse, findet sich auch in Österreich, nicht nur in Asien: am “Würstlstand” jedenfalls.

Etwas Würze ist ja auch hier nicht falsch – und wie so oft ist das so selbstverständlich, dass man ganz darauf vergisst. Der Unterschied zwischen dem Selbstverständlichen zweier Orte wird ohnehin gerne vergessen – solange, bis die beiden Arten von “Normal” miteinander kollidieren.

Die üblichen Gewürze in Österreich sind Senf (süsser oder scharfer), eingelegte Zwiebelchen (Perlzwiebel) und eingelegte Pfefferoni (Pepperoni). Für ein wenig mehr Biss, eingelegte saure Gurken. Erkennen Sie das Muster?

Viel mehr wird eingelegt als in China, und es wird mit Essig eingelegt, der viel saurer ist als der in China (wo viel Essig als Erfrischungsgetränk verkauft wird und ungefähr so sauer schmeckt wie ein echt saurer Apfelsaft in Europa). In China würde Chilli ausserdem eher nicht eingelegt werden, sondern wird mit Salz konserviert.

(Es gäbe 酸菜 – suancai, was meist als Sauerkraut übersetzt wird. Aber auch dies sind mal wieder zwei Paar Schuh’: verschiedene Arten von grünem Gemüse werden dafür verwendet, nicht jedoch Weisskraut, das für Sauerkraut genutzt würde. Und – wohl nicht überraschend, wenn man ein wenig über die Gegend hier, Hunan, weiss – Chilli findet sich darin oft wieder. Selbst Frühstück ist hier oft schon etwas scharf…)

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Kimchi und Identität

Neben nationalen/regionalen/lokalen Küchen – wie etwa französische/spanische/chinesische Küche oder jene aus Hunan, Sichuan, Dongbei, usw. – sind es manchmal auch bestimmte Nahrungsmittel, die eng mit Identität verknüpft sind. Während besondere Arten zu kochen und typische Speisen aber oft auch in anderen Gebieten beliebt sind und möglicherweise sogar dazu kommen, die gesamte Vielfalt an Gerichten eines Ortes zu repräsentieren, sind identitätsstiftende Lebensmittel oft eigenartiger: Vegemite ist eindeutig australisch (und andernorts meist nicht zu bekommen, oder auch nur etwas beliebt), Knödel reichlich österreichisch, der scharf-würzige (betäubende) Geschmack der Sichuan-Küche typisch für Sichuan.

 

By John (originally posted to Flickr as Kimchee)[see page for license], via Wikimedia Commons

Kimchi, das scharfe, sauer eingelegte Kraut mit seinem eindeutig zu erwerbenden Geschmack ist so ein National-Lebensmittel für Korea. Man nehme Marktkräfte hinzu, und selbst die New York Times berichtet: Rising Cost of Kimchi Alarms Koreans (Steigende Kosten für Kimchi alarmieren Koreaner)

Update – China

Zeit dies auch hier mal zu melden, jetzt wo ich endlich an meinem Update von chilicult.com arbeite: Ich habe es nun tatsächlich nach China geschafft.

Versucht hatte ich das seit Anfang des Jahres (oder, in Vorbereitungen, sogar schon seit Sommer 2007), aber bis Ende des Sommers war noch nicht klar, ob es klappen würde.
Jetzt, wie gesagt, hat es geklappt und zwar auch in eine der Provinzen in die ich wollte: Hunan.

Im Herzen des modernen China (wobei, noch südlich des Yangtze, also nicht unbedingt im historischen Herzen des Landes) gelegen, ist dies eine sowohl industriell sich weiterentwickelnde, als auch – schon lange – landwirtschaftlich sehr wichtige Provinz.
Und, natürlich einer der Gründe wieso ich auch genau hierhin wollte: Eine Provinz die, neben Sichuan, für ihre scharfen Gerichte bekannt ist.

Für die lokalen Bauern wie ein Geist bin ich so also schon über ihre Felder gekommen; sie sind allerdings ziemlich cool damit. Es fehlt nur, dass ich an meinen Chinesischkenntnissen arbeite (mich würde ja noch detaillierter interessieren, was sie so zum Chilli zu sagen haben, und wieso es mich so besonders interessiert würden sie ihrerseits ganz gerne wissen)…

In den Winterferien und im Sommer, nach der Arbeit (ich bin hier, an der Universität Xiangtan, als Deutsch-Lektor tätig), habe ich natürlich vor, auch noch weiter zu reisen. Womöglich schaffe ich es auch nach Südostasien?!

Jedenfalls breche ich hier mal wieder Erwartungen: Die meisten Ausländer bitten, ihr Essen nicht zu scharf zu machen. Ich erkläre, dass ich es nicht scharf finde und gerne mehr Chilli hätte. Tja, so kann’s gehen.
Ob es wohl ein chinesisches Wort für “Chilehead” gibt?