Capsicum: Die domestizierten Arten

Insgesamt gibt es um die 30 Arten innerhalb der Gattung Capsicum; darunter sind 5 Arten, welche vom Menschen domestiziert und aus denen zahlreiche Sorten gezüchtet wurden.

Klassifiziert wird botanisch in Gattung, Art und – wenn relevant – Varietät/Unterart.
Chiltepin, der oft als wilder Vorfahr der Vielfalt domestizierter Sorten – oder auch „Mutter aller Chillis“ – angesehen wird, ist so etwa Capsicum annuum var. glabriusculum. (Schon diese Bezeichnung macht klar, dass es eher nur der Vorfahr der Sorten von C. annuum ist – das ist allerdings die grösste Gruppe.)

Gartenbaulich wird weiter unterschieden, vor allem nach Fruchttyp und Herkunft.
Sorten sind im Vergleich zu Landsorten (die eine größere Bandbreite an Formen aufweisen) beim Chilli selten klar zu erkennen. – Zumeist ist das, was man als Sorte kennt, z.B. Jalapeño, eigentlich ein Fruchttyp! So sind die Etiketten, mit denen die verschiedenen Chillis versehen werden, äusserst divers.

Gemeinsam ist den (domestizierten) Arten, dass sie sich sehr gut am Feld, in praller Sonne, kultivieren lassen. An einem heissen Tag bekommen sie dann schon etwas zu wenig Wasser, aber es funktioniert. Der wilde Chiltepin hingegen „begibt“ sich unter Schattenpflanzen. Oft genug sind Varianten von C. annuum oder C. frutescens (den zwei häufigsten domestizierten Arten) sogar als „Unkraut“ an Feldrändern zu finden (natürlich in tropisch/subtropischen Gegenden, eher nicht in gemässigten Breiten – aber auch das ist schon vorgekommen).

Capsicum baccatum (Willd.) Eshbaugh

flower_Capsicum-baccatumDas ají Südamerikas, das ist C. baccatum.

[Zwei Anmerkungen:

1.) Das „j“ wird wie ein „ch“ ausgesprochen, die Betonung liegt auf dem -kurzen- „i“, das ganze klingt also so ähnlich wie ein „hatschi“ dem man das h und das ts entfernt hat 😉

2.) Manchmal wird in Südamerika alles Chilli als ají bezeichnet; venezolanisches ají dulce, zum Beispiel, ist C. chinense. Und zwar eine der unscharfen Formen davon.]

Die Blüten dieser Art sind unverkennbar, haben sie doch als einzige unter den kultivierten Arten einen grünlichen oder strohfarbenen kreisförmigen Bereich an der Basis der Blütenblätter.
Die Früchte sind mittel- bis sehr scharf mit einer aromatischen beerigen Note; der Anbau ist allerdings ein wenig schwierig: die Pflanzen neigen dazu, sehr gross zu werden aber viele Blüten ohne Fruchtansatz abzuwerfen. Ausserdem braucht es bis zur Reife gut drei Monate, wobei während des letzten Monats schon die endgültige Grösse der Früchte erreicht ist.

Capsicum pubescens Ruiz & Pav.

Am wenigsten Verbreitung hat C. pubescens gefunden: Die Heimat dieser Art sind die südamerikanischen Anden, und auch im Hochland von Mexiko lässt sie sich (mittlerweile?) finden.

Die Pflanzen, daher auch der Artname pubescens, sind behaart, mit violetten Blüten (in unterschiedlichen Tönungen) und – einzigartig unter den Chillis – schwarzen Samen.
Die Früchte reifen entweder gelb oder rot und zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar nur mittelgross, aber sehr schwer und saftig werden sowie eine sehr spezielle, starke Schärfe entwickeln.

C. pubescens, in den Anden bekannt unter dem Namen Rocoto, ist wie C. baccatum gut wüchsig, aber nicht unbedingt gut tragend. Wieso der Anbau so grosse Schwierigkeiten bereitet, ähnlich wie der von Chiltepin, ist nicht ganz klar: eventuell braucht es Fensterfolien um vor zu starker Sonne zu schützen, eventuell ist es ein Tag-Nacht-Temperaturunterschied, den die Rocotos brauchen, um gut Früchte anzusetzen (wie andere eventuell zum Keimen). Nur allzu oft blühen sie zwar wunderbar, aber die Blüten fallen einfach nur ab (was bei anderen Arten eintritt, wenn sie zu nährstoffreich gezogen werden.)
Noch dazu dauert es bis zur Reife mindestens einen Monat zusätzlich zu den ca. 2 Monaten während denen die Früchte bereits zu ihrer Endgrösse wachsen.

Der Anbau lohnt allerdings, denn die Pflanzen lassen sich mehrjährig ziehen und sind geschmacklich, nun ja, eine Bombe – sh. Südamerikanische Küche.

Capsicum frutescens L.

flower_Capsicum-frutescensNur kleine und sich sehr ähnliche Früchte finden sich bei C. frutescens. Die Blüten sitzen dabei auf einem Stiel, der gerade nach oben zeigt, nur knapp vor der Blüte ist der Stiel geknickt. Die Früchte schliesslich weisen nach oben.
Das Aussehen der Büsche ist dadurch oft sehr nett, aber auch sehr ähnlich manchen („Zierformen“ von) C. annuum. Typisch ist eine grünliche Farbe der Blüten und noch mehr ein Blütenkelch/Fruchtansatz in gleichbleibender zylindrischer Form, der sich nicht erweitert (wodurch die Früchte an der Ansatzstelle ebenso schmal bleiben).

C. annuum ähnlichen Aussehens haben hingegen weisse Blüten (und auch Pflanzen dieses Aussehens mit violetten Blüten werden meist zu C. annuum gezählt) und einen Fruchtstiel der sich an die Frucht anlegt und mit ihr erweitert. (Besonders klar wird dieser Unterschied im Fruchtansatz, wenn man sich einen Paprika ansieht: die Kelchblätter gehen dabei sofort so auseinander, wie es für das Wachstum der Frucht nötig ist, statt dass die Frucht so wächst, wie es die zusammenhängenden Kelchblätter notwendig machen.)

Der bekannteste Vertreter von C. frutescens ist sicherlich Tabasco-„Pfeffer“. Ähnliche Formen sind an vielen Orten zu finden, darunter statt rot auch gelb oder orange reifende.

Eine interessante Chili-Form, möglicherweise C. annuum, möglicherweise C. frutescens, findet sich in Japan. Das Land ist bekannt für seine Küche, die doch auf natürlichen Geschmack bedacht wäre, aber es wird hier durchaus so manches Chilli verwendet. Darunter eben das hier gemeinte Santaka, welches unter anderem in Afrika als Vogelaugenchilli angebaut werden soll…

Capsicum chinense Jacqu.

Habanero (übrigens korrekterweise ohne Tilde – also nicht Habañero), ein karibisch-mittelamerikanischer Vertreter von C. chinense steht schon länger repräsentativ (fast synonym) für diese Art und wird allmählich zu einem der bekanntesten Chillis.
Unter C. chinense finden sich allerdings auch sehr kleine, Chiltepin-ähnlich kugelige Formen („Charapita“) sowie Formen mit einer längeren und spitzeren Frucht als die meist eher rundlichen Habaneros. Die Früchte reifen gelb, orange, rot oder braun/rot-schwarz.

Die Blüten sind ähnlich jenen von C. frutescens L., typischerweise (aber nicht bei allen Formen) finden sich allerdings zu mehreren statt einzeln. Am besten erkennbar sind C. chinense jedoch am Geruch der Früchte, der ein eindeutiges fruchtig-schwülstiges Aroma aufweist.
Dadurch sind diese Chillis in besonderem Masse für bestimmte Rezepte unersetzlich, in anderen die nur nach Chillischärfe verlangen dafür aber ganz und gar nicht zu gebrauchen.

Zu C. chinense muss ausserdem erwähnt werden, dass die schärfsten Chillis der Welt zu dieser Spezies zählen (es gibt allerdings auch – eher wenige – C. chinense mit wenig oder keiner Schärfe).

Capsicum annuum L.

flower_Capsicum-annuumDie höchste Bandbreite an Fruchtformen, die grösste Zahl der meistbekannten und -verkauften „Chillis“ gehört botanisch zu C. annuum.

Insbesondere zählt dazu auch der (Fruchttyp) des Blockpaprika/bell pepper – der Gemüsepaprika wie man ihn auch im Supermarkt findet. Aber auch viele der Pequin-/Vogelaugenchilli, Piri-piri sind C. annuum bzw. können es sein. Die (unreif grünen, violetten oder fast schwarzen) Früchte reifen nach gelb, orange, rot, braun, rot-schwarz (Züchtungen auch nach violett).

Typisch für diese Art ist weniges, man erkennt sie leichter im Ausschlussverfahren: Handelt es sich nicht um eine der anderen Arten – für die es genaue und einfache Merkmale gibt – dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um C. annuum.

C. annuum hat auch die grösste Verbreitung erfahren: wenn irgendwo auf der Welt Capsicum angebaut wird, dann ist es mit Sicherheit -auch- C. annuum.

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