Wie baut man Chili an?

Wer sich mit dem Chilli beschäftigt, landet früher oder später beim eigenen Anbau.

Paprika übrigens dasselbe; die sind ja nur eine unscharfe Mutante des Chilli (wobei der Anbau meist beim Paprika ein wenig schwieriger ist bzw. erscheint, weil Paprikasorten eher empfindlicher sind und schliesslich wesentlich grössere Früchte produzieren müssen).

Viele scheinen vor dem eigenen Chilianbau zurückzuschrecken, viele haben nach einem solchen nur viel zu viel von viel zu scharfem Chilli auf Vorrat… Einfach und wertvoll ist der eigene Chillianbau dabei, vor allem wenn man sich so sehr wie ich nicht einfach mit 08/15-Sorten beschäftigt, sondern zur Vielfalt beitragen und mit der Vielfalt arbeiten will.

Dementsprechend gibt es eine Menge zu sagen:

Chilianbau, kurz gefasst:

  • Wann baut man Chili an?

Die meisten „professionellen“ Chili-Anbauer (nicht Chilizüchter bitte, das ist wieder etwas anderes; die meisten sind das nicht) fangen schon sehr früh an.

November-Dezember des Vorjahres ist keine Seltenheit; Januar-Februar gelten als und sind fast schon notwendig.

Man muss sich allerdings überlegen, wie man selbst das sinnvoll schaffen kann.

Extra-früh angefangenes Chilli muss dann auch in seiner ersten Wachstumsphase extra-gut behandelt werden, mit Kunstlicht, sonst werden die jungen Pflänzchen viel zu lang und instabil, weil sie verzweifelt zum wenig vorhandenen Licht wachsen wollen.

Solche Pflanzen überleben dann das Auspflanzen kaum bzw. nur mit einem solchen Schock, dass sie erst recht wieder lange brauchen, bis sie weiterwachsen und Früchte produzieren…

Also, früh genug anfangen, damit die erste Ernte/Reifung der Früchte nicht erst im Dezember stattfindet. Aber auch nicht so früh, dass die Pflanzen erst dann genug Licht und Platz bekommen, wenn sie schon einige Monate lang gewachsen sind…

  • Wie sät man Chilisamen?

Chili gehört, solange das Saatgut nicht zu alt ist, zu den einfachsten Keimern.

Man muss die Samen nur etwas (ca. 5 mm bis knapp 1 cm) unter Erde bekommen, feucht halten und warm genug stellen (also Zimmertemperatur oder ein wenig darüber – neben oder sogar auf der Heizung – und genug bewässert, damit die Erde nicht austrocknet) und sie werden keimen.

Das ist ja gerade eines der Erfolgsgeheimnisses des Chili: Es wächst vielerorts wortwörtlich wie Unkraut…

  • Wie viele Samen säe ich pro Topf?

Hier wird es schwierig, jedenfalls für mich.

Idealerweise sät man gleich nur 1-2 Samen pro Anzuchttopf (typischerweise mit ca. 8 cm Durchmesser) um gar nicht erst in Versuchung zu kommen, viel zu viele Pflänzchen viel zu lange in einem Topf zu haben.

Ja, ich spreche da aus Erfahrung…

Allerdings ist es auch nicht die grösste Schwierigkeit, Chili-Jungpflanzen zu vereinzeln (also, sie später zu trennen und individuell in Töpfe zu setzen), während es am Platz für so viele Aussaattöpfe oft fehlt.

Da muss man sich schon wieder eine für sich selbst und die eigenen Bedingungen passende Balance überlegen.

  • Wie lange dauert es, bis Chili keimt?

Es kommt vor allem auf die Frische des Saatguts und die Temperatur an.

Samen aus dem Vorjahr mit guter Qualität, um die 20 Grad Celsius im Erdreich, keimen meist schon nach einer Woche; älteres Saatgut und speziellere Arten/Sorten können auch schon 2 Wochen auf sich warten lassen.

Länger als 2 Wochen kann es auch dauern, aber das sind dann schon Ausnahmefälle oder -situationen.

Damit wünsche ich viel Spass. Es ist allerdings für 2017, zum Zeitpunkt dieses Eintrags, gleich etwas spät 😉

Weniger Zucker, mehr Erbsen, das Exotikum…

Pralle Erbsenschoten

Ausgerechnet mit der unscheinbaren Erbse hatte ich keine besonderen Erkenntnisse oder Erfahrungen erwartet. Erbsen, die warten einfach im Kilogrammbeutel tiefgekühlt oder in der Dose, manchmal vielleicht auch noch frisch zum Selberpuhlen – aber was soll an Erbsen schon besonderes zu erwarten sein?

Eigener Anbau und unsere Hunan-Küche im Burgenland haben dann aber doch dafür gesorgt, dass alles sich in etwas speziellere Richtungen entwickelt hat.

Erbsen, frisch gepuhlt
Erbsen, frisch gepuhlt

Angefangen hat das alles wieder einmal mit dem Sinn und Verständnis von Xiaohe für den (ihrer Meinung und Erfahrung nach) richtigen Geschmack einer Zutat oder Speise.

Erbsen werden auch in Hunan immer wieder verkocht, auf sehr schön einfache und doch aromatische Art (wir werden dazu gleich noch kommen).
Das Urteil über die Erbsen, die man hier (in Europa) bekommt, war allerdings ein vernichtendes: Kleine Zuckerbömbchen, diese Zuckererbsen, die überall als einizge Version derselben verhökert werden, aber kein Erbsengeschmack. Damit lässt sich dann kein aromatisches Essen machen, nur eines, das wie Dessert schmeckt, das aber nicht sollte.

Grund für mich, eine Sorte an Nicht-Zuckererbsen zu suchen.
Und man vergisst das ja nur zu gerne, bzw. man sieht es einfach nicht mehr, aber Erbsen gibt es in verschiedenen Varianten: Palerbsen, Markerbsen, Trockenerbsen; längst nicht nur Zuckererbsen.
Eine interessant klingende Sorte an Trockenerbsen war schnell gefunden; diese interessierte mich, weil sie also (auch) fürs Trocknen und die Verwendung in Suppe gut geeignet wäre.

Der Anbau letztes Jahr zeigte dann allerdings nur Probleme; im Sommer wurden die reifenden Erbsen von Pilz befallen, die Früchte wurden noch reif, aber zum Essen waren sie so nicht gut. Und ob ich sie so überhaupt aussäen sollte oder damit nur den Pilz weiter züchte?

Man lernt mit dem Lesen und dem Weiterversuchen, also wurde dieses Jahr erst einmal der Anbau wesentlich früher angesetzt. Erbsen sollen offenbar ohnehin als eine der ersten Feldfrüchte ausgesät werden.

Na gut, dann eben in den Boden in einem Glashaus, während es (draussen) manchmal noch Frost hat. Wachstum, tatsächlich; keine Frostschäden.

Erbsendschungel
Erbsendschungel

Gegen Sommer dann, trotz ständiger Nacktschneckenattacken, mannshohe Erbsenstauden die nun endlich blühen – und was für schöne dunkle Blüten Erbsen doch produzieren! – und fruchten.

Erbsenblüte
Erbsenblüte

Mit der beginnenden Hitze folgen erste Zeichen von Pilzbefall, also wird damit gleich einmal, sobald die Erbsen schön prall sind, abgeerntet und gerodet.

Erbsenernte
Erbsenernte

Resultat: Gut 1 kg feinster, frischer und vor allem nicht süsser sondern schön markiger, erbsiger, Erbsen.
Nicht viel an Essen, aber doch ein paar Gerichte. (Rezepte folgen gleich noch…)

Pralle Erbsenschoten
Pralle Erbsenschoten

Und natürlich einiges an getrockneten Erbsen, diesmal (grossteils) ohne den Pilzbefall, als Saatgut für das nächste Jahr.
Stellt sich nur noch die Frage, wie ich den Anbau ausweite und gleichzeitig mit den Erbsen auch grünes Chilli produziere, damit gleich die zwei wichtigsten Zutaten für die wichtigsten Erbsenrezepte aus Hunan aus dem eigenen Garten kommen…

Im Glashaus, da sind an die Stelle der Erbsen gleich einige der Bittermelonen nachgerückt, die im Freien erst noch unter den Schnecken gelitten hatten. Mittlerweile sind sie auch im Freien in die Höhe geschossen, aber unter Glas noch wesentlich produktiver und auch schon wieder in Kopfhöhe unterwegs. Aber die Bittermelonen sind eine andere Geschichte…

Frühling im „ChilliLabor“

Aussaat Frühjahr 2015

Wieder einmal eine Pause am Blog; wieder einmal sind die Anforderungen an den ChiliCult-isten Schuld.

Wer würzig und vielfältig essen – und anderen dieselbe Erfahrung ermöglichen – will, der hat im Frühjahr den Winterschlaf abzuschütteln und statt Frühjahrsmüdigkeit grosse Aktivität an den Tag zu legen.

Ende Februar/Anfang März, wieder im (und am) Lande war es höchste Zeit für eine neue Aussaat.

Aussaat Frühjahr 2015

Wobei, über das Timing lässt sich streiten.

Viele Chilli-Anbauer empfehlen, im Januar oder gar im Dezember mit der Vorzucht (also Aussaat und Kultivierung im warmen Zimmer, unter Tageslichtlampen) anzufangen. Dafür aber braucht man all die passende Ausrüstung, den Platz und die Lust, schon alleine die notwendigen Stromkosten zu investieren.

Habaneros > Hanf?

Für Habaneros würde ich das eher auch empfehlen, wenn man eine gute Ernte schaffen will, aber für die meisten Formen von Chilli ist ein so früher Anbau nicht unbedingt notwendig.

Man bekommt natürlich mit grösserer Wahrscheinlichkeit schon früher eine Ernte, wenn man früher mit der Aussaat und Aufzucht anfängt.
Man bekommt aber auch nur zu leicht nur zu ‚hochfüssige‘ Pflänzchen (wegen Lichtmangels), die dann noch dazu, weil der Reiz von Windeinfluss fehlt (wenn man nicht auch noch Ventilatoren dazustellt und laufen lässt), wenig stabil wachsen.

Später ausgesäte Pflanzen holen den Vorsprung dann, einfach weil sie in ihrem Leben früher in gute Freiland- oder Glashausbedingungen kommen, oft schneller ein als so früh vorgezogene Pflänzchen über den Schock kommen, plötzlich wirkliches Licht und echten Wind vorzufinden.

Natürlich kommt es darauf an, was man tun will und bieten kann – auf die Pflanzen (Sorten) und Bedingungen. Was bei jedem Anbau das wichtigste ist.

Und wieder einmal kommt das Problem zum Tragen, weswegen ich gleich einmal etwas länger brauche, bis endlich alles ausgesät ist, was ich aussäen will: Die Entscheidung, welche Chilli-Formen genau ich denn dieses Jahr bloss wieder anbauen soll und in welcher Menge.

Viele machen es sich leicht, verteilen einfach so viel an Saatgut von so vielen Sorten, wie sie überhaupt bekommen konnten, auf so viele Töpfe oder Anzuchtschalen, wie sie haben. Das hat dann auch den grossen Vorteil, dass man wunderbar damit angeben kann, wie viele Sorten an Chilli man anbaut.
(Schon mal aufgefallen, wie beliebt diese Angeberei ist?)

Will man allerdings seinen Platz effektiv nutzen und dabei einen Ertrag von ausgesuchten Sorten, mit denen sich gut kochen lässt oder die sich gut weiter verarbeiten lassen, erzielen, dann muss man nach einer guten Balance zwischen Sortenauswahl (und einfach Anzahl) und Zahl an Pflanzen, die man schlussendlich haben will, suchen.

So war meine erste Aussaat in dieser neuen Saison nicht die von Chilli, sondern jene von Gewürz- und Gemüsepflanzensamen, die ich neu aus China mitgebracht hatte und von denen ich so ohnehin nicht weiss, ob sie überhaupt keimen werden.

Gemüsesamen aus China
Gemüsesamen aus China

Zweiter Schritt, die ebenfalls neu mitgebrachten Chilliformen, bei denen auch erst einmal überhaupt gesehen werden muss, ob die Samen keimfähig sind: Shuanshuanla, der chinesische Ghost Pepper; Hengdong-Chilli, das als praktisch das einzige gelb reifende Chilli Chinas früher sogar zum kaiserlichen Tribut zählte; 7-Sterne-Chilli (QiXingJiao), eine der wenigen bekannten und mit einem Namen versehenen Sorten (Sorten?) Sichuans.

Huajiao Sämlinge
Noch etwas, das jetzt ausprobiert werden musste: Huajiao (sichuanpfeffer)-Vermehrung per Samen.

Weiter dann mit dem Chilli, das eben für den Hausgebrauch, einen eventuellen Verkauf und die Weiterzüchtung am interessantesten ist… wobei die Auswahl dabei dann doch ständig wieder schwer fällt.

Einerseits kauft nur zu viel Kundschaft nur zu gerne einfach „das schärfste“ und will nicht enttäuscht werden – andererseits orientiere ich mich nicht an, mit Verlaub, ungebildeter potentieller Kundschaft sondern daran, was bei guter Überlegung und Erfahrung für die gesuchte Verwendung wünschenswert ist.

So geht’s denn auf, es grünt und spriesst mittlerweile nur so vor sich hin – und es wird sich auch dieses Jahr wieder zeigen, ob die ach-so-späte Aussaat mindestens so gute Resultate zeitigt wie eine frühere.

Mittlerweile ist jedenfalls die Osterzeit – die mal wieder mit der traditonellen Kaltfront über uns hereinbricht – und es ist viel zu sehen, ein weniges noch zu starten… und gut, dass nicht alles sofort in den Garten sollte.

Chillisämlingsdschungel

Nur bald 😉

Frühling und die Magie des Chilli

Chilli Keimung

Es ist wieder einmal die Zeit des Jahres, wenn der Chillianbauer sich mit der Aussaat ins Zeug legt.

Ist es ein wenig zu früh oder doch schon ein wenig zu spät? So oder so, es ist an der Zeit, die Samen in die Erde zu bekommen. Oder doch besser in Torftöpfchen? Oder Anzuchterde? Oder… hmmm.

Chilli Keimung
Keimendes Chilli, immer wieder ein schöner Anblick

Wo ich gerade versuche, auch Samen von anderen scharfen Gewürzen zum Keimen zu bringen, werden die ‚magischen‘ Fähigkeiten des Chilli gerade überdeutlich: nicht nur, dass es sehr effektiv (ja: scharf) ist, es bietet auch eine ganz besondere ‚Nutzerfreundlichkeit‘, denn Chilli ist wahrscheinlich unter den am leichtesten aus Samen zu ziehenden Pflanzen.

Die Erde sollte schon warm genug sein, sicher, aber man muss sich wenig darum kümmern, wie tief man die Samen pflanzt oder ob sie Licht oder Dunkelheit zum Keimen brauchen, geschweige denn sich mit Skarifikation oder Kaltkeimungstechniken oder dergleichen herumplagen.

Nicht dass sich manche Leute nicht gerne um derartige Dinge Gedanken machen. Manche wollen Chillitypen kultivieren, die nicht die üblichsten sind und vielleicht von ein wenig spezielleren Techniken profitieren, vielleicht hilft eine Vorbehandlung mit Kamillentee ohnehin bei der Keimung und gegen Schimmel, bla bla bla… Sehr wahrscheinlich wird es alles keinen grossen Unterschied machen.

Keimende ChillisamenSolange die Samen von der Vorsaison oder jedenfalls nicht zu alt sind, und solange sie nicht aus Chillischoten stammen, die zu heiss getrocknet worden waren, solange keimen sie meistens gut.

Besonders in wärmeren Klimazonen, aber manchmal sogar in gemässigten, taucht Chilli manchmal sogar als eine Volontärpflanze auf. Die Samen (oder ‚Schoten‘) waren einfach irgendwo gelandet und wachsen nun dort, ohne jemals bewusst gepflanzt worden zu sein.

Das führt auch zur zweiten ‚Zauberkraft‘ des Chilli:

Capsicum ist eigentlich eine (sub)tropische Gattung, es also gewöhnt in einem Klima zu wachsen, in dem Wachstumsperioden nur durch ein wenig kühlere Zeiten (immer noch ohne Frost) unterbrochen werden… aber es gedeiht genauso gut, so wie auch die meisten Chilli-Anbauer um die Welt es kennen, als einjährige Pflanze.

Diese Anpassungsfähigkeit, von den eigentlichen wärmeren Heimatgebieten, wo es mehrjährig wachsen würde, in kältere Regionen, wo es als Annuelle wächst (bzw. angebaut wird), hat es dem Chilli erlaubt, sich mehr zu verbreiten, als jedes andere scharfe Gewürz.

Im Herbst, wenn die Tage kühler werden, dann kommt natürlich auch wieder die Zeit wo die vorrangige Magie des Chilli bemerkbar wird, für die man es entweder liebt oder ablehnt: die Schärfe.

Hier zeigt sich auch wieder, wie Vielfalt und Anpassungsfähigkeit dem Chilli geholfen haben. Seine Schärfe kann wesentlich stärker sein als die jedes anderen scharfen Gewürzes (wobei das wahrscheinlich auch ein wesentlicher Grund ist, warum das Chilli in der gehobenen Küche wenig Anklang gefunden hat), ebenso aber gibt es Formen von Chilli, die ihre Schärfe verloren haben und als Gemüse(paprika) beliebt wurden…