Capsicum: Chilli in Europa
Der "alte Kontinent" ist nicht gerade bekannt für seine scharfe Küche. Dabei war es gerade die Gier nach Gewürzen, die die europäischen "Entdeckungsfahrten" mit antrieb. Unter anderem wurde davon eben ein gewisser Christoph Kolumbus angetrieben, der zwar nicht fand, was er suchte, aber immerhin das Chilli. Es war auch dieses nicht gerade ein grosser Erfolg für ihn, aber es hat sich durch Europa und von Europa aus in die meisten anderen Erdteile verbreitet.
Möglicherweise war es mit ein Effekt des Chilli – und der damit plötzlich leicht verfügbaren Schärfe (dadurch dass sich Chilli im Gegensatz zum eigentlich bevorzugten Pfeffer auch in Europa anbauen lässt) – dass die Europäer vom scharfen Geschmack abkamen.
Erst in den letzten Jahren wird mit der exotischen Küche auch die Vielfalt in der eigenen Umgebung wieder besser gepflegt. Die Kochshows sind immer noch mehr als die echten Köche, aber man kennt und findet auch Pimentón de la Vera oder Piment d'Espelette im gut sortierten Feinkostladen immer öfter. Selbst im Süßigkeiten Versand finden sich zunehmend scharfe Bonbons, und auch Chilli-Schokoladen haben grossen Auftrieb erfahren.
Auch die Werbung (sh. im Blog) hat das Chilli zunehmend (wieder) für sich entdeckt. "Scharfe" Werbegeschenke zeigen, dass man im Trend der Zeit liegt und hinterlassen (hoffentlich nicht wortwörtlich) bleibenden Eindruck; der Glanz der roten Chillies, die schon im Barock von symbolischer Bedeutung waren, soll die Kunden locken, so wie die Früchte ursprünglich ihre fliegenden Konsumenten/Verbreiter anziehen wollten.
Ganz verschwunden war das Interesse aber auch nie: In bestimmten Regionen und vor allem in traditionellen, eher bäuerlichen Küchen wurde und wird Chilli gerne verwendet. Mit dem Interesse daran - am Chilli wie am traditionellen Kochen - sind auch die Chillifestivals, die sich mancherorts gerade in Europa finden lassen, zu neuer Bedeutung gelangt...
Guindilla
Ursprung: Spanien
Herkunft: Eigensammlung (Markt, Barcelona, 2000)
bot. Zuordnung: C. annuum L.
Fruchttyp: Mirasol
Schärfe: scharf
Kommentare:
"Guindilla" wird in Spanien oft als allgemeiner Ausdruck für Chilli verwendet (so wie chile in Mexiko), aber es bezeichnet auch diese Sorte. Die Früchte sehen Guajillo recht ähnlich und werden ebenfalls getrocknet und in Ristras gearbeitet. Sie sind aber weniger breit und - sie wachsen trotz ihrer Länge aufrecht! Dadurch wird die stark wüchsige Pflanze natürlich, wenn man ihr genug Platz gibt bzw. in wärmeren Gegenden überhaupt im Freiland, ein ideales Schauobjekt, besonders wenn die Früchte mit der Reife ihre glänzend rote Farbe annehmen.
Largo de Reus
Ursprung: Spanien
Herkunft: Semillas Batlle
bot. Zuordnung: C. annuum L.
Fruchttyp: Blockpaprika
Schärfe: mild
Kommentare:
Mittelhoch wachsend, wenig verzweigt; typische Pflanze produziert "nur" 2-3 Früchte, diese werden allerdings erstaunlich groß und schwer; mild mit ausgezeichnetem Aroma
Pequin da Ischia
Ursprung: Ischia, Italien
Herkunft: Michele Mastandrea
bot. Zuordnung: C. annuum L.
Leutschauer Schotenpfeffer
Ursprung: Ungarn bzw. Slowakei
Herkunft: W.W. Weaver
bot. Zuordnung: C. annuum L.
Fruchttyp: Paprika
Schärfe: Mild, vereinzelt mit Schärfe.
Kommentare:
Vermutlich eine der ersten Paprikasorten (1820?) der Region um Leutschau (Levoca) in der Ostslowakei, um 1948 nach Matrafüred (Ungarn) gebracht, 1983 von W. Weaver dort gesammelt, 2000 Samen an Arche Noah. Pflanzen hochwüchsig, buschig; Früchte neigen zu irregulären Formen. Gute Freilandsorte. Fast ausschließlich getrocknet verwendet, aber auch für Rohverzehr oder zum Einlegen geeignet.