Capsicum: Das Sorten-Problem

Welche Sorte habe ich da bloß?

Die Frage ist wohl eine der beliebtesten, bei den Chillis aber auch eine der schwierigsten.

Jalapeño. Typischerweise als Sorte behandelt, eigentlich ein Fruchttyp - und hier mit zu viel Spitze und zu wenig Bauchigkeit um wirklich der Fruchttyp Jalapeño zu sein...
Jalapeño. Typischerweise als Sorte behandelt, eigentlich ein Fruchttyp – und hier mit zu viel Spitze und zu wenig Bauchigkeit um wirklich der Fruchttyp Jalapeño zu sein…

Sorten, streng genommen, sind Formen einer Pflanzenart die…

  • distinkt,
  • uniform und
  • stabil…

…zu sein haben.

Das heißt, eine Sorte hat eindeutige Merkmale in Farbe, Form, Größe, Geschmack;
diese Eigenschaften variieren kaum und sind auch bei der sortenreinen Nachzucht unverändert vorhanden.

Sorten sind außerdem in Ländern oder bei Organisationen (z.B. EU) mit bestimmtem Namen registriert.
Damit geht dann auch Sortenschutz (wie etwa die Trademark des Red Savina™) einher.
Manchmal, wie beim Chilli, reichen auch schon Änderungen in wenigen Merkmalen für einen Sortenstatus…

Derzeit in der EU registrierte Sorten sind etwa:
Almapaprika, Apache, Austrocapi, California Wonder, Cece-AS, Cherry Bomb, Chili-AS, Confetti, Corno (di toro) giallo, Corno (di toro) rosso, Doux d’Espagne/Dulce de Espana, Dulce Italiano, Ferenc Tender, Gelber Spiral, Largo de Reus, Neusiedler Ideal… (die ganze Liste findet man im EU Common Catalogue of Agricultural Plant Species).

Wenig davon ist das, was oft als Sorte bezeichnet wird. Einmal, weil es sich häufig um Fruchttypen handelt (die zu verschiedenen Arten gehören können). Von den Arten wiederum gibt es tatsächlich viele Herkünfte, Landsorten und eventuell Sorten. „Im Alltag“ ähnelt sich dann alles ziemlich stark; Zuordnungen sind oft nur zu Arten und Fruchttypen möglich, aber nicht wirklich zu genaueren Typen.

Sorte ist nicht gleich (Land)Sorte

Womit man es wesentlich öfter zu tun hat, das sind Landsorten:
Im Falle von Landsorten gibt es Merkmale welche (zumindest bevorzugt) vorhanden sein und auf die hin selektiert werden sollte bzw. wurde, aber es kommt (gewollt und/oder ungewollt) eine größere Bandbreite an Merkmalen vor.

Schon daher – und noch mehr weil es oft zu Verkreuzungen kommt – ist es gar nicht sinnvoll hier einen eindeutigen Sortennamen zu suchen, sondern besser, ein bestimmtes Chilli mit wissenschaftlicher Art (und Varietät), Fruchttyp und eventuell lokalem Namen bzw. weiteren Merkmalsangaben (Ort, Anbauer) zu beschreiben.

Die meisten Landsorten sind zumindest nach ihrer Ursprungsregion oder -stadt benannt:
Pimiento De Padrón, Chimayo, Santa Fé, …

Terroir, nicht nur bei Wein

Mit den Unterschieden je nach Anbauer und dessen (bewusster oder unbewusster) Selektion ergeben sich Unterschiede ähnlich wie bei Kakaobohnen oder Wein:
Je nach Anbauer, Gegend und zum Teil klimatischer Variabilität im jeweiligen Jahr erhält man etwas unterschiedliche Versionen auch eines ansonsten gleich-benannten Chillis. – Außer wohl, es wurde eine registrierte Sorte benutzt, bei der ist schließlich die Uniformität ein Kriterium…

Nicht uninteressant ist es dabei, dass im Fall von Chilli-/Paprikatypen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (darunter sind etwa Piment D’Espelette, Piquillos de Lodosa) der Ursprung geschützt ist (was so heißen will also von hier kommen muß), die damit einhergehende (Land-)Sorte jedoch nicht immer…

Scharfe Saucen haben natürlich auch ihre typischen Eigenschaften, hier wird zumeist aber – leider – darauf verzichtet, bestimmte Sorten (bzw. „Sorten“) von Chilli zu verwenden. Dementsprechend liest man im Chilli Shop dann zwar interessante Namen, aber nicht welches Chilli genau denn nun verwendet wurde. Die Vielfalt hier kommt aber auch zumeist von der Verwendung weiterer Zutaten. In China etwa ist eine Art schwarze Bohnen ein sehr beliebter Geschmacksgeber; bei zahlreichen amerikanischen hot sauces wird ganz einfach Capsaicin hinzugemischt, um extreme Schärfegrade zu erreichen.

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