Ein Nudel-Restaurant, dass seine eigenen Chillimischungen produziert? Da kann der ChiliCult-ist natürlich nicht weit sein…

Die Umgebung

Der Hon-ten (der Original-Laden) dieses Udon-Restaurants liegt praktisch gleich am Weg von der Ginkakuji-Bushaltestelle zum Tetsugaku-no-michi (dem Philosophenweg) und natürlich dem Ginkakuji-Tempel selbst.

Man muss nur, anstatt mit den Besuchermassen zum Tempel zu eilen, ein paar Schritte südlich auf eine Querstrasse.

Die Spezialität des Hauses

Die Spezialität von Omen – nicht verwunderlich, bedeutet doch schon der Name selbst dies – sind (Udon-)Nudeln ähnlich dem kara-age udon, das ich in Kamachiku hatte. Udon also die in heissem Wasser kommen, mit dem Dashi (der Suppe) dafür in einer separaten Schüssel.

Hier allerdings kommen diese gemeinsam mit einer kleinen Platte verschiedener Gemüse, geschnitten in schmale Streifen und fein säuberlich aneinandergeschichtet zu kleinen Bergen.
Man taucht also nicht nur die Udon in die Brühe und isst sie dann, man fügt auch noch Gemüse hinzu, wie man will.

Oder, um es genauer zu sagen: Wie auch eine Karte am Tisch, auch auf Englisch, für den Uneingeweihten erklärt, gibt man zuerst einmal etwas vom Sesam und Kinpira (Klette), die man auch bekommt, in das Dashi. (Die Klette – genauer Klettenwurzel – ist das eingelegte Gemüse in einem eigenen Schälchen, das man gemeinsam mit den Bergchen an Gemüse bekommt.) Dann füge man 2 oder 3 von jenen Gemüsen hinzu und esse die Udon mit jenen, nach und nach.

Würze

Wie üblich – aber hier, nicht ganz wie üblich – kann man dem auch etwas mehr Würze hinzufügen.
Hier aber gibt es eben nicht nur das übliche an Ichimi und Shichimi und/oder Sansho.

Omen macht vielmehr eigene dieser Mischungen:
Ichimi – japanischen (roten) Pfeffer, eben Chillipulver pur; aka-zan-mi – ein „rote drei Gewürze“; eine Mischung an „grünem Pfeffer“ und ein hachi-mi, also ein „acht Geschmäcker“ wie Shichimi, aber mit einer weiteren Zutat.

Wie üblich konnte ich schon einiges über die Mischungen herausfinden, aber bei weitem nicht so viel, wie ich gerne gelernt hätte. Der verwendete Sansho etwa käme offenbar von Kyushu, der südwestlichen Hauptinsel von Japan, wo das Klima schon subtropisch wird…

Das Essen

Wie auch immer.

An Kritik kann ich nur anbringen, dass ich die Brühe zum Eintauchen und Würzen der Nudeln und des Gemüses gerne heisser gehabt hätte, weil sie vom Gemüse mehr und mehr abgekühlt wird, was ich nicht besonders mag. Das war es dann aber auch damit.

Das ganze Udon und Gemüse-Set war ein sehr schönes Beispiel für ein klares, simples, sättigendes aber nicht beschwerendes, aromatisches aber nicht übertriebenes, Essen.

So wie mein Geschmack nun einmal ist, war ich zugegebenermassen interessierter an meinem kleinen Essen daneben, nämlich von Sansho-Huhn, das ich einfach ausprobieren musste.

Das war also ein schön gegrilltes, im positiven Sinne Holzkohle-rauchig schmeckendes Huhn. Eben mit einem Häufchen Sansho daneben, mit dem man ihm auch noch den dafür typischen limonigen, ‚vibrierenden‘ Geschmack verleihen konnte.

Das ist ja gerade die Sache mit dem japanischen Pfeffer, Sansho: Er wird vornehmlich grün geerntet und meist zu grünem Pulver von japanischem Pfeffer verarbeitet – und der hat so einen ganz anderen Charakter als der chinesische rote Sichuanpfeffer. Viel weniger ‚holzig‘, viel leichter und zitroniger, aber fast genauso ‚vibrierend‘ im Effekt.

Darüber aber werde ich wirklich noch mehr, als eigenes Thema, sagen wollen…

Das Lokal

Ich war wohl zu einer guten Zeit dort, zu der noch nicht besonders viel los war.

Schon während meiner Zeit dort wurde es wesentlich voller und das hauptsächlich mit Japanern, die sich für Familien-Mittagessen dort trafen und an die Tische auf Tatamimatten setzten. (Ich war wieder einmal an der Theke bei der „Bar“; es soll auch ein Obergeschoss mit westlichen Tischen geben.)

Das Gebäude übrigens ist weniger speziell als so manche von jenen, in denen ich war. Hier gibt es nichts explizit erwähnenswertes; es ist einfach ein Einzelhaus wie es deren viele in Kyoto gibt – was allerdings einiges darüber sagt, was für eine ungewöhnliche Stadt Kyoto ist. Hier nämlich findet man weithin eben solche Häuser und weniger grosse Appartementblocks.

Grundlegende Informationen

Omen
(auf Japanisch: おめん)

Preisrahmen: 1000-3000 JPY

Geöffnet Fr-Mi 11:00 – 21:00 Uhr
Donnerstag geschlossen

Mittlere Zahl an Sitzplätzen; zu gut besuchten Zeiten gibt es Warteschlangen

Nicht klar, ob nur Bargeld (?)

Es gibt übrigens nicht nur den Honten in Kyoto, sondern auch andere Zweigstellen – und eine ebensolche in New York