Bauernmarktgedanken in China

Der kleine, lokale Bauernmarkt in Jiubujiang, Hunan, mal wieder, auch diesen Sommer.

Wieder kann ich nur ein paar kurze Eindrücke zeigen; es wäre mir einfach zu dumm, mich hier mit der Videokamera in der Hand hinzustellen und intensive Palaver abzuhalten.
Noch dazu wäre das hier, wo ich typischerweise noch immer der einzige Ausländer im Jahr bin, noch unangenehm auffallender, als es meine blosse Anwesenheit ohnehin schon ist.

Aber, es ist doch immer wieder faszinierend; es gibt immer einiges zu sehen und auch zu überlegen…

Ländlicher Markt, Hunan, China
Grünes Chilli, Luffagurke, Sojabohnen, Wassermelonen…

Welche Chancen bietet so ein Markt den Leuten, die darin tätig werden?

Bei all dem Gerede um die ökonomische Macht Chinas ist das gar nicht so uninteressant; so einige der (vor allem älteren) Leute in der Gegend könnten kaum anders über die Runden kommen und etwas Geld verdienen, als durch eigenen Lebensmittelanbau und Verkauf ihrer Überschüsse.

Und wer schon einmal einiges angebaut oder gar einen gut fruchtenden Obstbaum im Garten hat, der/die weiss wohl, was für einen Überschuss es manchmal, dann aber plötzlich, gibt.

Glasfisch auf lokalem Bauernmarkt, Hunan, China
Der Glasfisch etwa kommt wahrscheinlich nicht gleich um die Ecke her (bekannt ist er aus dem Taihu)

Nicht hier, aber anderswo, finden sich auch schon Initiativen von Studierenden, die lokale Spezialitäten gut vermarktet auf Chinas wichtigster Online-Handelsplattform, Taobao, anbieten…

Warum funktioniert so etwas (immer noch?) in China, aber nicht in angeblich so umweltbewussten und nachhaltigkeitsorientierten Ländern wie Österreich?

Gut, es wird hier genug in Plastik verpackt und abtransportiert, aber die Ware hier ist wahrlich Nahversorgung.

Tofu auf lokalem Bauernmarkt, Hunan, China
Tofu in der Vielfalt seiner üblichen Ausführungen etwa kommt sicher nicht von weit her

Bei uns im Ort, in Parndorf, gibt es einen Markt der Erde, gerade auch das Gemüseangebot auf diesem ist nett – aber es kommt aus knapp 40 Kilometern Entfernung, also nicht gerade Gehdistanz.

(Und viele der Besucher, selbst aus demselben Ort, kommen mit dem Auto statt zu Fuss oder mit dem Fahrrad.)

Was überhaupt wird hier angeboten – und kenne ich das alles?

Das finde ich immer wieder ganz besonders spannend.

Wir sind jetzt schon lange immer nur im Sommer in China gewesen (wann sonst sollten wir Zeit haben?), womit der Effekt der Saisonalität leider nicht so gut zum Vorschein kommt.

Über den Jahreslauf allerdings wäre dieser in China und auf solchen kleinen, lokalen Märkten immer noch sehr stark; Frühlingsgemüse sind zum Teil ziemlich andere als jene im Sommer und Herbst, zum Beispiel.

Auch hier wieder sollte man ruhig einmal über Supermärkte nachdenken, in denen der Spargel mittlerweile im Februar „in Saison“ kommt (aus Peru), die Erdbeeren im Dezember, und so weiter.

Reihe von Gemüsen auf ländlichem Markt in Hunan, China
Sieht auf den ersten Blick bekannt aus. Auf den zweiten Blick aber vielleicht doch etwas weniger…

 

Und dazu kommt eben noch die Frage, was man kennt oder nicht.

Mittlerweile sind viele Küchen der Welt sich in ihren Zutaten ziemlich ähnlich geworden, aber gewisse Unterschiede gibt es doch immer noch – und die sonstige Ähnlichkeit lässt solche Unterschiede oft nur noch stärker zutage treten.

So manches hole ich dann auch schon mal zu mir in den Garten…

Küken auf chinesischem Bauernmarkt, Hunan, China
Geflügel allerdings nicht. Wobei es davon in der Gegend gar nicht so wenig gäbe

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