Wasserpfeffer Allerorts…

Wasserpfeffer, Polygonum hydropiper, ist in Eurasien relativ weit verbreitet, aber scheint gerade einmal in Japan (dort als Azabu-tade) eine gewisse Verwendung zu finden.

(Schon wieder Japan, das Land der klaren Küche die so grossen Wert auf den eigenen Geschmack der jeweiligen Zutaten legt – und Chilli verwendet. SIchuanpfeffer/Sansho. Wasabi. Wasserpfeffer. Und wo es einen rechten Wahn rund um Habanero gab/gibt.)

2013 war es so weit, dass ich doch wieder eine Pflanze davon bestellte. Sie kommen immer in ziemlich schlechtem Zustand an, darum wollte ich gar nicht mehr.

Aber, der Wasserpfeffer ist einfach zu faszinierend. Wie viele Kräuter ist er einfach eine einjährige krautige Pflanze.

Unter den Pflanzen mit würzig-scharfen Aromen aber ist er ziemlich ungewöhnlich.

Der Wasserpfeffer ist in den gemässigten Zonen heimisch statt in den tropischen. Man verwendet die Blätter, aber das obwohl sie (anders als etwa bei den echten Pfeffern, deren Blätter auch oft verwendet werden) kleiner sind, also ungeeignet, um etwas darin einzuwickeln, aber zugleich von grösserer Wirkung, also eher noch schwieriger zu verwenden.

Der Effekt von Wasserpfeffer, der ist so ähnlich wie jener von Sichuanpfeffer:
Beisst man in das Blatt, merkt man zuerst einmal gar nichts, bis sich die Zunge dann plötzlich seltsam taub anfühlt. Die Wirkung hält bei Wasserpfeffer noch länger an; es gibt auch weniger das Gefühl von Schärfe oder Vibration als vielmehr einfach ein betäubtes Gefühl, zugleich aber doch pfeffriges Aroma.

Wasserpfeffer
Wasserpfeffer

Nun, die Pflanze von 2013 erbarmte sich schlussendlich doch, entwickelte sich zu einem schönen Buschen – und blühte dann so spät, dass ich schon dachte, die Samen könnten unmöglich, auch wo ich die Pflanze noch ins Wärmere hinein geholt hatte, ausgereift sein. (Gleiches Spiel wie mit der damaligen Ashitaba-Pflanze.)

Abfallende Blütenblätter und dergleichen gab es allerdings genug.

Im Frühling 2014 dann die Überraschung.
In dem Pflanzgefäss, in das vieles gefallen war, kamen Hunderte Sämlinge auf – nur um dann, als das Gefäss endlich in die Sonne konnte, sofort zu sterben.

Später im Frühling, schon im Freien, kam dann allerdings gleich noch einmal ein Schub an Sämlingen hoch, und jene nun überlebten. Und dazu kamen dann auch noch welche in den Töpfen, die in der Nähe der Pflanze aus dem Vorjahr gestanden hatten und überhaupt in deren früherer Umgebung.

Schätze mal, die Samen waren doch ausgereift 😉

Es ist auch eine gute Sache, denn Wasserpfeffer gehört zu den Pflanzen, bei denen man besser aussät, als eine Pflanze zu kaufen; gekaufte Pflanzen sind meistens zu klein und schwach entwickelt, wollen aber erst recht schon zu blühen anfangen. Von Samen gezogen hingegen, ohne Umsetzen, entwickeln sich zumindest einige von ihnen zu recht stattlichen Pflanzen und blühen erst so spät, wie sie es sollen.

Dieses Jahr nun, 2015, wollte ich zuerst gar nicht über den Wasserpfeffer schreiben, denn ich hatte schon wieder keine Samen von den Pflanzen vom Vorjahr gesehen und schien sie wieder einmal verloren zu haben.

Das Pflanzgefäss war über den Winter im Freien geblieben und voll mit Wasser bzw. natürlich Eis; alles darin war eingefroren, als ich es endlich im Frühjahr leeren konnte, da war es stinkendes Wasser, in dem schon zu lange Pflanzenreste gestanden hatten.

Und dann?

Mehr Wasserpfeffer (im Frühjahr)
Mehr Wasserpfeffer (im Frühjahr)

Nun, schon wieder dasselbe wie im Vorjahr: In dem Pflanzgefäss sind Sämlinge aufgekommen; in Töpfen, die im Vorjahr in der Nähe von Wasserpfeffer gestanden hatten, sind Sämlinge aufgekommen; in der Umgebung von Vorjahrespflanzen sind Sämlinge aufgekommen.

Und noch viel mehr Wasserpfeffer
Und noch viel mehr Wasserpfeffer (der allerdings überlebte auf Dauer nicht 😉 )

Jetzt fehlen nur noch Rezepte bzw. Kochideen für die Nutzung dieses scharfen Gewürzes. Dass ausgerechnet die japanische Küche, welche man doch immer mit dem natürlichen und unverfälschten Geschmack der jeweiligen Zutaten verbindet, mit Azabu-tade gleich noch eine weitere seltsam-würzige Aromatisierung verwendet…

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