‚Scharfe‘ Lektüre, Frühling 2015

‚Scharfe‘ Lektüre, Frühling 2015

Entweder ich lese zu viel auf Englisch oder auf Englisch wird wesentlich öfter über (scharfe) Gewürze geschrieben als auf Deutsch; jedenfalls sind alle Artikel, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind, auf Englisch…

Forbes: What’s Driving The Global Chili Pepper Craze?

Einer dieser häufigen, „Hey, ich hätte da ein Buch geschrieben, lasst mich also ein paar Worte zu dem Thema sagen, damit ihr das ganze Buch kaufen wollt!“-Artikel. Und es funktioniert; es klingt  nach einem interessanten Buch 😉

Bei dem Thema in diesem Artikel bin ich mir allerdings nicht so sicher. Ich hatte erst vor kurzem auf die Produktions- und Handelsstatistiken zum Chilli gesehen, und und ob es wirklich eine globale Chilli-Manie in den letzten Jahren gibt, ist denen zufolge nicht so klar. In den USA und Europa ist Chilli eindeutig beliebter geworden, aber in den Gegenden mit „Chilliküchen“ (wo also Chilli ohnehin eines der wesentlichen Würzprinzipien darstellt) da wird einfach weiterhin scharf gegessen, eher nicht noch schärfer als zuvor.

Womöglich also täuscht das etwas, einfach wegen der steigenden Beliebtheit und Aufmerksamkeit in ‚unseren‘ Gefilden…

Der Artikel ist so oder so interessant, und das Buch klingt nach einer noch interessanteren Tour rund um alles, was Essen Tasty (also, schmackhaft) macht.

The Atlantic: Learning to Like Spicier Food. Can people train themselves to tolerate heat?

Kann man lernen, schärferes Essen auszuhalten? Keine Frage. In The Atlantic dazu zu lesen ist aber schon ganz nett – und wo die Rede gerade von Büchern war, da frage ich mich jetzt ein wenig, ob es denn schon ein Trainingshandbuch für diejenigen gibt, die schärfer essen wollen 😉

Wirklich bemerkenswert an dem Artikel war allerdings die Erklärung darin, wie die chemisch-physikalischen Mechanismen von TRPV1 funktionieren sollen. (Wir sind auf diesen Schmerzrezeptor schon beim Thema Chilli und langes Leben gestossen.)

Ich hatte immer gedacht, dass Capsaicin direkt diese Rezeptoren anspricht, die sonst auf hohe Temperaturen reagieren. Diesem Artikel zufolge aber ändert es vielmehr den Rezeptor, so dass dieser schon auf niedrigere Temperaturen – nämlich schon auf Körpertemperatur – anspricht.

Das würde dann erklären, warum die Kühlung durch Hecheln sich hilfreich anfühlt…

Modern Farmer: Black Pepper: Close-Up. Black, white or green – they are all peppercorns.

Der Vollständigkeit halber, dieser Link. Klingt wie ein Pflanzen-/Gewürzportrait, ist wesentlich zu kurz. Gar nicht davon zu reden, wie es darum gehen soll, dass „schwarz, weiss oder grün – alle sind Pfefferkörner“ – und dabei prompt auf rote Pfefferkörner vergessen wird. (Nicht zu verwechseln allerdings mit dem pinken/roten Pfeffer, der von Schinus molle kommt und mit echtem Pfeffer so was von nichts zu tun hat.)

NPR’s The Salt: How Snobbery Helped Take The Spice Out Of European Cooking

Schon ein wenig verdächtig, wenn ein Artikel von einem Autor indischen Hintergrunds nur auf Forschung aus Indien eingeht und komplett darauf vergisst, dass die dahinter steckende Idee schon vor ein paar Jahren von einer US-Forschergruppe aufgebracht und ausgetestet wurde…

Aber gut, der Artikel ist dennoch eine nette Einleitung zum Thema der Aromenkombinationen und dazu, wie die Verfügbarkeit von Gewürzen, menschliche Geschmackspräferenzen und soziokulturelle Faktoren alle zusammen bestimmen, was für Geschmäcker beliebter werden beziehungsweise aus der Mode geraten.

Mit dem Schwerpunkt auf indischem Essen geht es hier vor allem um die Ähnlichkeit bzw. Unterschiedlichkeit von Aromen, die kombiniert werden, aber dasselbe Thema ist auch im Kontext scharfen Geschmacks und der (Un)Beliebtheit von Chilli in den diversen Küchen der Welt, nun ja, ein Thema…



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