Frühling im „ChilliLabor“

Frühling im „ChilliLabor“

Wieder einmal eine Pause am Blog; wieder einmal sind die Anforderungen an den ChiliCult-isten Schuld.

Wer würzig und vielfältig essen – und anderen dieselbe Erfahrung ermöglichen – will, der hat im Frühjahr den Winterschlaf abzuschütteln und statt Frühjahrsmüdigkeit grosse Aktivität an den Tag zu legen.

Ende Februar/Anfang März, wieder im (und am) Lande war es höchste Zeit für eine neue Aussaat.

Aussaat Frühjahr 2015

Wobei, über das Timing lässt sich streiten.

Viele Chilli-Anbauer empfehlen, im Januar oder gar im Dezember mit der Vorzucht (also Aussaat und Kultivierung im warmen Zimmer, unter Tageslichtlampen) anzufangen. Dafür aber braucht man all die passende Ausrüstung, den Platz und die Lust, schon alleine die notwendigen Stromkosten zu investieren.

Habaneros > Hanf?

Für Habaneros würde ich das eher auch empfehlen, wenn man eine gute Ernte schaffen will, aber für die meisten Formen von Chilli ist ein so früher Anbau nicht unbedingt notwendig.

Man bekommt natürlich mit grösserer Wahrscheinlichkeit schon früher eine Ernte, wenn man früher mit der Aussaat und Aufzucht anfängt.
Man bekommt aber auch nur zu leicht nur zu ‚hochfüssige‘ Pflänzchen (wegen Lichtmangels), die dann noch dazu, weil der Reiz von Windeinfluss fehlt (wenn man nicht auch noch Ventilatoren dazustellt und laufen lässt), wenig stabil wachsen.

Später ausgesäte Pflanzen holen den Vorsprung dann, einfach weil sie in ihrem Leben früher in gute Freiland- oder Glashausbedingungen kommen, oft schneller ein als so früh vorgezogene Pflänzchen über den Schock kommen, plötzlich wirkliches Licht und echten Wind vorzufinden.

Natürlich kommt es darauf an, was man tun will und bieten kann – auf die Pflanzen (Sorten) und Bedingungen. Was bei jedem Anbau das wichtigste ist.

Und wieder einmal kommt das Problem zum Tragen, weswegen ich gleich einmal etwas länger brauche, bis endlich alles ausgesät ist, was ich aussäen will: Die Entscheidung, welche Chilli-Formen genau ich denn dieses Jahr bloss wieder anbauen soll und in welcher Menge.

Viele machen es sich leicht, verteilen einfach so viel an Saatgut von so vielen Sorten, wie sie überhaupt bekommen konnten, auf so viele Töpfe oder Anzuchtschalen, wie sie haben. Das hat dann auch den grossen Vorteil, dass man wunderbar damit angeben kann, wie viele Sorten an Chilli man anbaut.
(Schon mal aufgefallen, wie beliebt diese Angeberei ist?)

Will man allerdings seinen Platz effektiv nutzen und dabei einen Ertrag von ausgesuchten Sorten, mit denen sich gut kochen lässt oder die sich gut weiter verarbeiten lassen, erzielen, dann muss man nach einer guten Balance zwischen Sortenauswahl (und einfach Anzahl) und Zahl an Pflanzen, die man schlussendlich haben will, suchen.

So war meine erste Aussaat in dieser neuen Saison nicht die von Chilli, sondern jene von Gewürz- und Gemüsepflanzensamen, die ich neu aus China mitgebracht hatte und von denen ich so ohnehin nicht weiss, ob sie überhaupt keimen werden.

Gemüsesamen aus China
Gemüsesamen aus China

Zweiter Schritt, die ebenfalls neu mitgebrachten Chilliformen, bei denen auch erst einmal überhaupt gesehen werden muss, ob die Samen keimfähig sind: Shuanshuanla, der chinesische Ghost Pepper; Hengdong-Chilli, das als praktisch das einzige gelb reifende Chilli Chinas früher sogar zum kaiserlichen Tribut zählte; 7-Sterne-Chilli (QiXingJiao), eine der wenigen bekannten und mit einem Namen versehenen Sorten (Sorten?) Sichuans.

Huajiao Sämlinge
Noch etwas, das jetzt ausprobiert werden musste: Huajiao (sichuanpfeffer)-Vermehrung per Samen.

Weiter dann mit dem Chilli, das eben für den Hausgebrauch, einen eventuellen Verkauf und die Weiterzüchtung am interessantesten ist… wobei die Auswahl dabei dann doch ständig wieder schwer fällt.

Einerseits kauft nur zu viel Kundschaft nur zu gerne einfach „das schärfste“ und will nicht enttäuscht werden – andererseits orientiere ich mich nicht an, mit Verlaub, ungebildeter potentieller Kundschaft sondern daran, was bei guter Überlegung und Erfahrung für die gesuchte Verwendung wünschenswert ist.

So geht’s denn auf, es grünt und spriesst mittlerweile nur so vor sich hin – und es wird sich auch dieses Jahr wieder zeigen, ob die ach-so-späte Aussaat mindestens so gute Resultate zeitigt wie eine frühere.

Mittlerweile ist jedenfalls die Osterzeit – die mal wieder mit der traditonellen Kaltfront über uns hereinbricht – und es ist viel zu sehen, ein weniges noch zu starten… und gut, dass nicht alles sofort in den Garten sollte.

Chillisämlingsdschungel

Nur bald 😉



2 thoughts on “Frühling im „ChilliLabor“”

  • Selten, ausserdem ist die Frage in Anbetracht der ganzen Hochzüchtungen einerseits, relativ wild-diversen Landsorten andererseits, was man unter „chinesischen Sorten“ verstehen will – aber genau daran arbeite ich 😉

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