Wie bei Mama – Zhang Mama Sichuan Restaurant in Beijing

Wie bei Mama – Zhang Mama Sichuan Restaurant in Beijing

Wie könnte ich ein Restaurant nicht mögen, das mich stets mit Säcken voll Chilli begrüsst hat? Und ist das eine rhetorische Frage?

Chilli-Vorbereitung vor der Tür
Chilli-Vorbereitung vor der Tür – das Bild, das mich beim ersten Besuch empfangen hat

Zhang Mama in der Oststadt (Dongcheng) von Peking, nahe bei Yonghegong (Lama-Tempel) und Konfuzius-Tempel, ist ein bekanntes und beliebtes Sichuan-Restaurant. Wieder und wieder zieht es mich dort hin (mittlerweile war ich schon je zwei Mal an deren alter bzw. neuer Adresse), wieder und wieder wundere ich mich ein wenig, warum eigentlich.

Sie kochen wie bei Muttern.

Chilli-Vorbereitung drinnen
Chilli-Vorbereitung drinnen – das Bild bei einem späteren Besuch

Falls die Mutter aus Sichuan ist, gut kocht, vor allem aber Chilli und Sichuanpfeffer sehr, ihre Sprösslinge aber vielleicht weniger mag. Wie in so vielen Sichuan-Restaurants wird auch hier der Gaumen gerne mit Chilli, wenn nicht gleich mit Chilli und Sichuanpfeffer, attackiert und in Brand gesetzt.

Sie nutzen es so gerne und so viel, man fühlt sich dadurch wunderbar lebendig – und erlebt so manche speziellen Dinge.

Zhang Mama Xiaoshao
Zhang Mama Xiaoshao, kurzgebratenes Fleisch in einem Haufen Chilli

Bei meinem ersten Besuch hatte ich nicht nur etwas Hilfe von einem Pärchen, mit dem ich an einen Tisch gesetzt wurde, ich konnte auch miterleben, wie die Mädchen am Nachbartisch sich über dieselbe Art von Kurzgebratenem hermachten, wie ich sie auch bestellt hatte, nur um dann schnell wieder mit dem Essen aufzuhören und nach Reis zu rufen, während sie die ‚Flammen‘ wegzufächeln versuchten.

Bei meinem letzten Besuch sass ich mit einem jungen Paar aus Hunan am Tisch… und er ass etwas länger weiter, sie hatte ziemlich bald entschieden, dass sie einfach nicht weiter essen wollte. Schuld war schon wieder dieses Kurzgebratene, in Kombination mit einer anderen grossen Spezialität des Hauses, dem boboji, einer (Hühner?-)Brühe in die man weitere Zutaten nach eigener Wahl, v.a. Gemüse und Tofu, befördert. Die Brühe ist sehr ‚ma‘ und eher ‚la‘, also betäubend und scharf, und gemeinsam mit einem vornehmlich scharfen Essen wie dem Kurzgebratenen bedeutet das ein etwas schmerzhaftes Essen.

Ich sollte es wissen.

Dan Dan Mian
Dan Dan Mian, so wie sie an den Tisch kommen, also vor dem Mischen mit der ‚Suppe‘

Mehr als einmal habe ich hier neben zwei weiteren Gerichten noch die Dan Dan Mian bestellt. Dicke, Udon nicht unähnliche, Nudeln fungieren hier als Beförderungssystem für den Schock eines ‚mala‘ – betäubend-scharf – wirkenden Öls. Diese ‚Suppe‘ (nach chinesischer Benennung wird eine solche Sauce mit demselben Wort wie Suppe bezeichnet) versteckt sich hier am Boden des Schälchens, muss erst von einem selbst nach oben gemischt werden – und wird immer noch erst allmählich mehr an den Nudeln haften, so dass die Wirkung (ich bin mir nicht sicher, ob ich hier noch von Geschmack sprechen möchte) sich allmählich immer weiter verstärkt, umso tiefer man vorstösst. Wann immer man zwischendurch von etwas anderem isst, sei es nun etwas mit seiner eigenen Chillischärfe oder auch nur Gemüse und das ‚Wasser‘ aus einem solchen Gericht, verstärkt sich die Wirkung ebenso.

Kugua Chao Jidan
Natürlich ist nicht alles scharf, etwa diese Kugua Chao Jidan, gebratenes Ei mit Bittermelone/-gurke
Suan La Tudou Si
Suan La Tudou Si, sauer-scharfe Kartoffeljulienne. Unter den besten, die ich je gegessen habe, mit genau dem richtigen ‚Biss‘ an Schárfe, chinesischer Essigsäure und Konsistenz

Ich liebe es, aber ich frage mich doch, ob diese Liebe nicht eine ganz ähnliche ist wie jene einer Person, die sich selbst verletzt, zu dem dadurch zugefügten Schmerz.

Das Mapo Tofu meines letzten Besuchs, das ich einfach endlich einmal auch hier ausprobiert haben musste und auf das sie nahezu zu vergessen schienen (meine Bestellung, insbesondere dieses Gerichts, aus der Küche zu bekommen hatte jenes Mal unheimlich lange gedauert), war ein nur zu gutes Beispiel dafür.

Ich konnte es nicht mehr mit anderen Speisen unterbrechen, da diese ja schon gegessen waren, und selbst mit einer weiteren Schale Reis war es eine solche Attacke auf sämtliche Nerven im Mund, dass es nicht mehr wirklich zu geniessen war… und irgendwie war es immer noch ganz nett.

Mapo Doufu
DIESES Mapo Doufu

Meine Empfehlung: Hingehen, zumindest einmal. Oder wann immer man sich in einem Gemütszustand befindet, in dem man eine Erinnerung daran braucht, dass man noch am Leben ist, á Johnny Cash (/Trent Reznor) und sein “I hurt myself today… / to see if I still feel… / I focus on the pain… / the only thing that’s real…

Die ältere Adresse im Fensiting Hutong scheint beliebter zu sein und bietet die Atmosphäre eines Hutong-Restaurants. Wer das erleben möchte, sollte dorthin gehen.

Die neuere Adresse etwas weiter die Strasse (Andingmen Road, dort dann allerdings zur Jiaodaokou Road geworden) hinunter Richtung Süden sieht mehr wie ein übliches kleines chinesisches Restaurant aus, bietet dafür aber mehr als sechs Tische und dementsprechend bessere Chancen, einen Platz zu bekommen. Ein wenig kann man hier auch in die Küche sehen (und öfter mal auf das Chilli), und das Service ist in meiner Erfahrung meist auch etwas besser hier.

Das Essen ist da wie dort gleichermassen scharf.

Zhang Mama's Küche
Zhang Mama’s Küche


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