Sterne-„Street Food“ in HK, Teil 2: Dim Sum

Keine Reise nach Südchina ohne „das Herz zu berühren“, wie die Bedeutung von Dim Sum (dian xin, 点心) oft erklärt wird.

Die kleinen gedämpten Delikatessen sind eine wichtige Tradition – und in den zwei Hong Konger Institutionen, die ich aufsuchte, da finden sie sich in sehr unterschiedlicher Form. Oder eigentlich in sehr ähnlicher Form, aber sehr verschiedenem Kontext.

1) Tim Ho Wan

Tim Ho Wan, North Point
Tim Ho Wan, North Point

Nummer 1 ist ein anderes der „Street Food“-Lokale Hong Kongs mit Michelin-Stern. (Genauer gesagt haben manche der Zweigstellen einen Stern, andere nicht.)

Es ist ein interessanter Mix, denn das Essen ist gut aber, in seinem kulturellen Kontext, immer noch nahe an schnellen Snacks, und das Ambiente ist überhaupt eher das einer Kantine und nicht eines sterneverdächtigen (geschweige denn ausgezeichneten) Restaurants wie im europäischen Kontext.

Umso interessanter für mich, da sich ausländische Besucher gerne über die unfreundliche – ich würde sagen, einfach effiziente – Bedienung beschweren; womöglich in Erwartung einer europäischen Erfahrung. Das Essen wird auf jede mögliche Art bewertet, von Begeisterung bis zu Enttäuschung… aber einen Besuch ist Tim Ho Wan auf jeden Fall wert.

Ich jedenfalls besuchte das Lokal nahe North Point (wie die Marktstrasse hier).

Die diesmalige Auswahl:

Die essentiellen Char Siu Bao, ‚gebackene Brötchen mit Barbecue-Schweinefleisch‘ („baked bun with BBQ pork“). Die macht man bei Tim Ho Wan wie nirgends sonst, mit einer knusprigen Kruste an den weichen und süssen Brötchen mit einer Fülle von schmelzend-zartem Schweinefleisch in Grillsauce. Ich finde sie ja etwas zu süss, aber schmackhaft sind sie, in der Kombination von Aromen und Mundgefühlen ihrer selbst und mit anderen Gerichten.

Char Siu Bao, Tim Ho Wan, North Point
Char Siu Bao, Tim Ho Wan, North Point

Das gilt insbesondere, wenn eines dieser anderen Dinge die ‚pfannengebratenen grünen Chillis gefüllt mit Fisch und Schwein‘ („pan-fried green pepper(s) filled with mixed fish and pork“) sind, welche einen weiteren Kontrast von mildschmeckendem Fleisch und genau richtig würzigen grünen Chillis bieten.

Pfannengebratenes grünes Chilli, Tim Ho Wan, North Point
Pfannengebratenes grünes Chilli, Tim Ho Wan, North Point

Drittens wählte ich die ‚gedämpften Maultaschen im Chiu Chow-Stil‘ („steamed dumplings in chiu chow style“), gefüllt mit (dem einen oder anderen von) Erdnüssen, Knoblauchgrün, Schweinehack, Shrimp, getrocknetem Rettich und Shiitake.

Teigtaschen nach Chiu Chow-Art, Tim Ho Wan, North Point
Teigtaschen nach Chiu Chow-Art, Tim Ho Wan, North Point
Tim Ho Wan, North Point
Tim Ho Wan, North Point

2) Lin Heung

Lin Heung, Wellington Street, Hong Kong
Lin Heung, Wellington Street, Hong Kong

Nummer 2, Lin Heung, war schliesslich doch einfach zu attraktiv-abstossend, um es auszulassen.

Zum einen nämlich liegt dieses Dim Sum-Restaurant, wie Tsim Chai Kee und Mak’s Noodles, auf der Wellington Street.

Zum anderen sollte jeder, der sich schon über den Service bei Tim Ho Wan beschweren musste, einmal diesem Ort einen Besuch abstatten.

Hier werden die alten Traditionen von Dim Sum-Lokalen hochgehalten: Sitzplätze sind selbst zu suchen, was die Küche gerade fertig bekommen hat, das kommt auf einen Trolley und wird um die Tische gefahren, und wer also etwas haben will, der muss sich einfach (schnell genug) darum kümmern.

Der Blick über den Körbchenrand,; Lin Heung, Hong Kong
Der Blick über den Körbchenrand,; Lin Heung, Hong Kong

Man geht also hinein beim Bäckereiverkauf auf Strassenniveau, hoch die Stufen zum Speisesaal, in den man dann auch einfach hineingedeutet wird, um sich einen Platz zu suchen. Man setzt sich, so man endlich etwas findet und sich traut, wartet darauf, dass der Teeausschenker Geschirr aufdeckt und den Tee einschenkt, mit dem man die Essutensilien wäscht und, am wichtigsten, das Kärtchen aushändigt, auf dem markiert wird, was für eine Art/Preisgruppe an Speise man gewählt hat.

Dann heisst es warten, dass ein Trolley vorbeikommt – oder aufspringen und nachsehen, was es so gibt, nehmen was man will und es am Kärtchen abstempeln lassen. Entweder, man erkennt es, oder man hat es gehört/gesagt bekommen und verstanden – oder man lässt sich halt überraschen. Wieder an den Platz und zum Essen…

Ich habe hier, zum Vergleich, auch wieder Char Siu Bao ausgewählt. Ein interessanter Kontrast, denn sie waren hier auch schmackhaft, aber ganz anders. Weniger zartes und dafür fettigeres Fleisch, herbere Sauce, vor allem aber viel traditionellere, Baozi-ähnliche Hülle, flaumig, aber auch dick und gar nicht süss.

Char Siu Bao; Lin Heung, Hong Kong
Char Siu Bao; Lin Heung, Hong Kong
Frühlingsrollen und Reisnudel; Lin Heung, Hong Kong
Frühlingsrollen und Reisnudel; Lin Heung, Hong Kong

Andere Wahl hier waren frittierte Frühlingsrollen und die so ganz anderen, schlürfwürdigen oder -bedürftigen (oder auseinanderfallenden) gefüllten Reisnudeltaschen, auch diese mit einer Füllung von Fleisch in Grillsauce (oder ähnlichem) und ein wenig Gemüse. Hier fällt es schwer, zu sagen, was genau denn nun die Gerichte waren, schliesslich gibt es keine Karte.

Dafür ist offensichtlich, dass viele der Besucher Einheimische und viele wohl auch Stammgäste sind; die herzlichen Begrüssungen und Plaudereien mit manchen von ihnen machten das klar. Für den Besucher jedenfalls ist es eine andere Erfahrung, wenn nicht geradezu ein Eintauchen in eine andere Welt.

Ganz normaler Betrieb bei Lin Heung, Hong Kong
Ganz normaler Betrieb bei Lin Heung, Hong Kong

Eintritt auf eigene Gefahr :-p

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