„Du schaffst Geister“… im Duft von Curry

„Du schaffst Geister“… im Duft von Curry

imArtisConstantin Film lud Ende Juli einen ganzen Schwung österreichischer Food-Blogger zu einer Vor-Schau von „Madame Mallory und der Duft von Curry“ (im Original „The Hundred-Foot Journey“) in das Artis International in Wien.

Nett, offenbar doch Leser zu haben, aber ich hatte, ehrlich gesagt, so meine Befürchtungen.

Eine essenbezogene Geschichte offenbar über Fremde, die in ein kleines Dorf in Frankreich kommen und in Konflikt mit Einheimischen geraten – klingt doch sehr nach einem lauwarmen Aufguss von „Chocolat“. Noch dazu, wo der Regisseur derselbe ist.
(Sorry, aber vom Roman The Hundred-Foot Journey, auf dem der Film basiert, hatte ich nicht gehört.)

Kurzes Fazit vorweg: Ich bin nicht eingeschlafen, ganz im Gegenteil habe ich mich vorzüglich amüsiert.

Die Geschichte lässt sich durchaus ein wenig an wie Chocolat, aber schon die Vorgeschichte mit ihrem Farbenrausch und ihrer kulinarischen Sinneslust in Indien verspricht mehr.

Die Tragödie lässt nicht lange auf sich warten, aber der Film wandelt sich von dort schnell in eine wunderbar komödiantische Geschichte von der Suche nach einer neuen Heimat, in der die Lebensmittel noch eine Seele haben, und einem Kleinkrieg gegen Snobbismus.

HFJ-0084rEin wenig Hauch von Liebe weht natürlich auch durch die Luft, Kulturen prallen aufeinander und fusionieren.

Es geht annähernd vom Tellerwäscher zum Millionär, jedenfalls vom gut kochenden Kind nicht schlechter Eltern zum Lehrling klassischer französischer Kulinarik – mit einem wunderbaren Seitenhieb auf traditionelle Küche anderer Erdteile mit hunderten, wenn nicht tausenden, Jahren der Tradition… „Ist das etwa nicht klassisch genug?“ – und zum gefeierten Genie einer molekularen und fusion cuisine.

Madame Mallory... ScreenshotManches an den gefeierten Kreationen des Höhepunkts hat mir ein müdes Lächeln abgerungen; Koriander in molekularer Küche zu feiern erscheint mir nicht gerade grandios; die Chefs könnten zumindest endlich einmal an das Chilli denken und damit Feuerwerke im Gaumen produzieren :-p

Der Bogen, der gespannt wird, vom lokalen Colorit zur Fusion zur Feier des Genius und zu Erkenntnissen von Geschmack und Herkunft und wahrer Heimat, der jedenfalls war mir ein voller Genuss.

Man schaut den Film, man will nach Frankreich und sehen, wie die Zutaten denn nun wirklich schmecken.

Madame Mallory... Screenshot

Umso besser, dass es auch gleich am Anfang um wahre Erkenntnis vom Zauber des Kochens und dem Essen von Realitäten geht: „Wenn du kochen willst, musst du töten. … Du schaffst Geister.“

Die beste Küche kommt von den besten Zutaten und gedenkt des Lebens, das in sie eingeht und durch sie gefördert wird, in der Freude der Speisen.

Die Freude, mit der gespeist wird und die Leidenschaft, die in Essen voller Lebendigkeit steckt, die findet sich in diesem Film, zumindest für mich, wunderbar wieder.

Meine Empfehlung als Beilage dazu: The Third Plate von Dan Barber, worin es um eine bessere, ökologisch passende, Agri-Kultur geht, aus der gesündere und vor allem auch geschmackvollere Lebensmittel und somit Speisen entstammen, die bessere und passende Ernährungsweisen schaffen.

„Madame Mallory und der Duft von Curry“, ab 21. August 2014 im Kino



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