Wenn Sarah Wiener eine Reise tut…

Nun gehen Die Kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Asien weiter, es geht gleich einmal mit dem Chilli (und) in Indien los. Eine grosse Freude für den ChiliCult-isten – wäre es jedenfalls, wenn nicht schon wieder gewisse der Chilli-Missverständnisse und typischen Probleme auftauchen würden. So ist es also einmal Zeit für eine TV-Kritik…

Es ist wohl die Kritik eines Wissenschafters, dies gleich vorweg zu bemängeln, aber wenn davon die Rede ist, wie „Chili zur Gattung der Paprika“ gehören würde, so lässt das doch gleich einmal an der wissenschaftlichen Betreuung des Beitrags zweifeln.

Die Gattung ist Capsicum, diese lassen sich wohl mit „Paprikagewächsen“ verdeutschen, aber nachdem man bei Paprika an die absolut nicht scharfen Formen denkt, die (grossteils bzw. in der heute bekannten Form) erst zwischen 1928 und 1932 gezüchtet wurden, sind sie mit Chilli wesentlich korrekter angesprochen. Paprika ist nun einmal, bei aller aktuellen Bekanntheit im deutschsprachigen Raum, das schwarze Schaf unter den Chilli, die Form, welche das eigentlich hervorstechende Merkmal der gesamten Gattung verloren hat.

Sarah Wiener - Chilipaste
Sarah Wiener in Indien beim Chilipaste bereiten. Foto von ORF

Aber natürlich musste beim Thema Chilli auch gleich wieder die Schärfe zu sehr hervorgekehrt werden. Immerhin mit einem netten Augenzwinkern, mit Lachen der, die Schärfe gewöhnten, Inder über die darunter leidende Europäerin, mit dem Hinweis, dass manchmal nicht nur scharf sondern auch sehr scharf gekocht würde und – sehr zu loben – dem Fazit, dass die Chilli-Schärfe andere Gewürze nicht „töten“ würde.

Dumm nur, wenn „von den Experten“ (so ich mich an die Passage im Beitrag richtig erinnere) die Schärfe auf einer Skala von 1-10 angegeben werden soll (und mit 1 als Wert für die unscharfen ‚Früchte‘). Sorry, aber: Was?!? Wie?!? Dann lobe ich mir schon das ewige Getue rund um vorgeblich so exakte Scoville-Messungen

Interessant allerdings wieder, in Anbetracht meiner aktuellen Kämpfe mit den neu aus China mitgebrachten „Sorten“, das Rätseln rund um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen von Chilli am Markt. (In meinem in Arbeit befindlichen Buch über das Chilli in China wird genau das Problem, welches dahinter steckt, das Thema eines ganzen Kapitels ausmachen…)

Ach ja, nicht ein Problem des Chilli, aber ein Zeichen für die Ungenauigkeiten, die Köchen und Sendungen über Küchen einfach nicht gut stehen: Das am Schluss gekochte Junglee Maas wurde aus „mutton“ gemacht, es war auch die Rede von Hammelfleisch – wieso aber spricht Sarah dann ständig von Ziege? Mutton bzw. Hammel ist doch Lammfleisch, und ein Schaf ist keine Ziege… Was also war es denn nun?

Alles in allem war Die Kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Asien, Folge 1: Indien, eben auch genau so eine bunte Mischung.

Einerseits ein faszinierender Einblick. Alleine die Szene gegen Ende, wo sie einfach auswählen soll, wie viel Chilli sie nutzen will und sie dies nach deutscher Art macht, woraufhin ihr Kochpartner dann prompt doch nicht Sarah entscheiden lässt, sondern lieber die indische Art zeigt, war herrlich.

Dies allerdings als indische Küche darzustellen und zunehmend weniger darauf hin zu weisen, dass es sich um Küche in Rajasthan handelt, ist doch ein grober Schnitzer. Längst nicht überall in Indien wird so scharf gegessen – was dann auch für die, auch hier wieder einmal angesprochenen, Diskussionen rund um die möglichen Gründe für die Chilli-Vorliebe einige Probleme produziert hätte.

(Es werden auch weitere Folgen noch in Indien spielen, aber wenn es schliesslich um China gehen wird, werde ich mit einem solchen Vorgehen, wie ich fürchte, noch viel grössere Probleme haben. Von „chinesischer Küche“ – ebenso wie von einfach „indischer“ Küche – zu sprechen ist schliesslich in Anbetracht der Vielfalt genau so sinnvoll, wie von einer einheitlichen „europäischen“ Küche zu reden. Dazu kommt in China dann ein noch stärkerer Unterschied in der Nutzung oder eben Nicht-Nutzung von Chilli. Und wenn man jetzt schon hört, dass Sarah Wiener das sogenannte stinkende Tofu gehasst hat, dann hat bei den Aufnahmen in China ohnehin einiges nicht gestimmt.)

Ich wundere mich ja immer öfter, schon seit dem „Triumph der Tomate“ (wozu meine Frau und ich ein klein wenig beitragen durften), warum das Chilli einerseits stets beliebter wird, immer wieder am Rande erwähnt wird – aber nie sinnvoll behandelt wird.

Meine lieben Fernsehschaffenden, es gäbe viele gute Geschichten rund um das Chilli zu erzählen (welche Pflanze produziert schon eine Beere, die einerseits ein ganz normales Gemüse ist, andererseits aber „Giftgas„?) – aber fragt mich doch endlich einmal danach, anstatt stets irgendwelche Leute mithelfen zu lassen, die sich offensichtlich nicht richtig mit dem Thema auskennen.

Schliesslich heisst es hier nicht umsonst, „Du sollst Dein Chilli kennen“. Und nein, es macht nicht (so) süchtig, wie es auch hier schon wieder behauptet wurde. Also: Ansehen, aber auch mehr lernen!

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