Die Geschichte von Chilli als Giftgas

Chilli ist bekanntlich ein kraftvolles Gewürz; mit Chilli zu kochen kann eine sehr hustenanregende Angelegenheit sein. Es hat schon seinen Grund, wieso Küchen in Hunan immer in einem separaten Zimmer sind und der Herd immer gleich am Fenster steht – wenn nicht gleich am Balkon.

Weniger bekannt, aber immer wieder Aufmerksamkeit erregend, ist die Geschichte des Chilli als eine Art Giftgas. In manchen seiner Formen ist es geradezu ein Kriegsmittel gewesen, und das schon lange vor der ersten dunklen Blüte solcher Mittel im 1. Weltkrieg (an dessen 100-Jahr-„Jubiläum“ gerade erinnert wird). In anderen Formen ist es weniger destruktiv…

Eine der traditionellen ‚rauchigen‘ Verwendungen des Chilli, die stets wieder mit Interesse wahrgenommen wird, ist seine Nutzung als Erziehungsmethode.

Codex Mendoza 60r, Chilli zur BestrafungIn vielen Kulturen mit scharfen Küchen gilt der Konsum scharfen Chillis als ein Zeichen für das Erwachsenwerden, aber unter den Azteken hatte die Härte, die man mit Chilli assoziiert, noch eine ganz andere Bedeutung:
Männliche Kinder, die nicht auf Autoritätspersonen hören wollten, wurden zur Strafe über den beissenden Rauch brennenden Chillis gehalten (weibliche Kinder mussten „nur“ vor ebensolchem knien…). Angeblich wurde diese Form der Bestrafung noch in den 1960er Jahren von den Popoloca im südlichen Puebla genutzt…

Chilli war auch unter den Schätzen, die den aztekischen Königen als Tribut abzuliefern waren.

Wie das mit Imperien so ist, wurde Tribut nicht immer freiwillig und ohne Vorbehalte gezahlt, und so kommt man zu etwas, was man geradezu als eine Chilli-Gaskammer bezeichnen muss: In den 1450ern erhoben sich die Einwohner von Cuetlaxtlan im Nordosten des aztekischen Reiches gegen ihre Eroberer, töteten den Mexica (also den aztekischen) Gouverneur der Region – und als Boten ankamen um zu fragen, warum kein Tribut entrichtet worden war, da sperrten die Lokalfürsten diese in einen Raum, in den sie den Rauch brennenden Chillis einleiteten, bis sie erstickt waren…

Öfter aber ist die Geschichte rund um den Rauch brennenden Chillis eine geradezu heilsame. Jedenfalls für Menschen.

Geht es um Rauch, geht es oft um Räucherwerk und die Bedeutung dieser speziellen Substanzen als Botschaft direkt zu den Göttern. Kaum eine Substanz die spezieller wäre als Chilli, aber sein Rauch ist auch im Zusammenhang mit spirituellen Bedeutungen eine etwas anders machtvolle Sache: In Südasien und im Himalaya, wie anscheinend auch unter manchen indigenen Gruppen in den Amerikas, finden sich Beispiele wo das Verbrennen von Chilli als ausgezeichnetes Mittel zur Vertreibung böser Geister gilt.

Aus Bhutan etwa kommt das wunderbare Beispiel, das Chilli um Destillerien verbrannt wird, um schlechte Einflüsse vom Alkohol fern zu halten.

Im Normalfall natürlich ist alles noch viel einfacher und wir sind glücklich – wenn auch manchmal glücklich hustend – wenn das Chilli in der Pfanne brutzelt und anzeigt, dass es bald ein gutes Essen geben wird 😉



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