Chili, Erlesen

Atlas der Erlesenen Chilis und PaprikaDer Atlas der Erlesenen Chilis und Paprika (hier die Verlagsseite, da Amazon – und natürlich kann man sich auch zu Erich Stekovics selbst begeben und gleich, ab 25. April jedenfalls, auch noch einige Paradeiser- oder Chillipflanzen mitnehmen) erfährt allmählich etwas mehr Aufmerksamkeit – und die hat er sich auch verdient.

Zugegeben, es ist seltsam für mich, eine Rezension des Buches zu schreiben, da ich deren éminence grise – oder sollte das eine éminence rouge sein? – war; viel unseres – Erich Stekovics‘ und meines – gemeinsamen und schon seit langem geteilten Wissens ist in Der Atlas der Erlesenen Chili und Paprika eingeflossen…

Darum auch zunächst einmal kleine Anmerkungen:

Leider ist es mit dieser relativen Unsichtbarkeit einher gegangen, dass wir einer Quelle für einiges Saatgut (v.a. aus China) nicht richtig danken konnten; daher an dieser Stelle ein grosses und notwendiges Dankeschön an das Centre for Genetic Resources, the Netherlands, in Wageningen, von dem etwa die Samen für Su Tsu und Anhui Xian Jiao (jene Sorte, die im Buch durch eine Ansammlung an Tippfehlern als Hai Xean Gjia aufscheint) stammen.

Hai Xean Gjia - Anhui Xian Jiao
Hai Xean Gjia – wirklich Anhui Xian Jiao, mit ein paar von meinen getrockneten Früchten davon zum Vergleich: Wann findet man schon einmal dermassen schöne Chilli-Fotos in Originalgrösse?

Mit diesen Samen/Sorten werke ich an einer Gegenüberstellung dessen, was üblicherweise so über das chinesische Chilli geschrieben/erklärt wird und welche Sorten/Fruchttypen mit welchen Daten in Genbanken zu finden sind; das Thema findet aber auch und vor allem Einzug in das Buch über Chilli in China, an dem ich aktuell arbeite.

Aber zurück zum Atlas, der ist schliesslich seit kurzem verfügbar:

Ja, ja, er ist teuer geworden, aber er ist auch das erst zweite Buch über Chilli seit Jean Andrews‘ „Peppers“ (hier auf amazon.com, es wird allmählich schwerer zu bekommen), das ein wahres coffee table book ist – ein Hochglanzbuch mit wunderbaren Abbildungen, die alleine schon die Betrachtung (und den Kauf) wert sind. Und dazu noch sind so manche Geschichten und Erfahrungen hier zu finden:

Besonders beliebt scheint bei den Rezensenten (wie hier im Falstaff) ja nach wie vor die aztekische Bestrafung (und Abhärtung) unfolgsamer Kinder per Chillirauch zu sein, zu der es noch einiges mehr zu wissen und sich zu wundern gibt.

Etwa dem Standard fiel nicht nur das auf, sondern auch die ungewöhnliche Schärfebeurteilung mit recht breiten Begriffen statt den üblichen Scoville-Einheiten oder 10er-Skalen – hinter denen sich aber nur zu oft mehr Missverständnisse als Exaktheiten verstecken, weswegen eben eine so „ungenaue“ Einteilung ihre grossen Vorteile hat.

Alle, hier nun auch der (das? 😉 ) Format, scheinen die Geschichte wiederzugeben, wonach das Chilli bzw. dessen Samen für Kolumbus ein grossartiger Wirtschaftserfolg waren, „da sie mit Gold aufgewogen wurden“. Der Punkt nun amüsiert mich, vielleicht muss ich ihn auch noch unter den Chilli-Missverständnissen unterbringen, denn er ist mit sehr grosser Sicherheit einfach falsch. Im Gegensatz, das Chilli hat vielleicht mit dafür gesorgt, dass der schwarze Pfeffer, der tatsächlich seine Zeit hatte, zu der er mit Gold aufgewogen wurde, so sehr in den Hintergrund bzw. in die Durchschnitts-Normalität abgerutscht ist.

Nicht nur dort, sondern an vielen Stellen, gäbe es wie immer noch mehr zu erzählen, gibt es unterschiedliche Erfahrungen, ist der Stand der Kenntnisse und Erkenntnisse einer, der sich immer wieder ändert – aber einen wunderbaren Überblick, visuell anhand der Sortenporträts und auch in Geschichte und Geschichten, inklusive kreativer Rezepte und zahlreicher Hinweise zum Anbau, kann man durch den Atlas der Erlesenen Chilis und Paprika erhalten.

Und der hohe Preis, der so gerne bemängelt wird? Das ist der Gegenwert von 30 Chillipflanzen oder 10er-Packungen Samen, so wie sie meist angeboten werden. Nicht die Welt, vor allem wo sich dafür die Welt des Chilli aufs eindrucksvollste erschliesst.

Wer will, kann natürlich auch gerne direkt mehr erfahren.

Ich bin immer wieder auf Chillifesten, gleich demnächst wieder der Chilliexperte für Arche Noah beim Verkauf im Botanischen Garten in Wien (11.-13. April 2014) und wohl auch in Schiltern (1. Mai bzw. 2.-4. Mai), und bei und mit Erich Stekovics wird es nicht nur die üblichen Paradeiserführungen, sondern am 6. und 7. September auch Genuss-Stunden für das Chilli (auch mit mir), geben.

Bei Interesse lassen sich Informationen rund um Chilli-Kultur und Küche, und auch zu anderen scharfen Geschmäckern, auch individuell organisieren. Einfach schreiben oder anrufen; Kontakt am besten über Facebook.

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