Chips in China – Kulturen und Geschmack

So gerne ich auch über gesunde Ernährung schreibe, eine Faszination für pure Zutaten und ihre beste Verwendung entwickelt habe – vor allem, wie man wohl am Manifest für ChiliCult merkt, wenn es um das Chilli geht – so habe ich doch auch eine Schwäche für Junk Food.

Insbesondere Chips sind ein Lehrbeispiel für Geschmacksvorlieben im interkulturellen Vergleich, einmal abgesehen von ihrer (mehr oder minder) universellen Attraktivität dank ihres Gehalts an Kohlehydraten (Zucker), Fett und Salz (sh. hier in der Beziehung zur chinesischen Küche und hier, auf Englisch, im Zusammenhang mit körperlicher Ess-Intelligenz), ihrer Knusprigkeit und ihres Mundgefühls – in anderen Worten, ihrer durchdesignten Qualitäten.

Nun gut, ich habe meinen Geschmackssinn allmählich wieder gut genug gelehrt und weiss zu viel, um ihre Falschheit nicht mehr zu erkennen, aber manchmal sind Chips doch ein gutes Anti-Stress-Mittel.

Auf jeden Fall aber ist es immer wieder interessant, sich an anderen Orten umzusehen, was dort wieder für Geschmacksrichtungen angeboten werden und nachzudenken, was das zu bedeuten haben könnte.
Wo wir leben, ich herkomme – in Mitteleuropa – da sind es zum Beispiel ganz klar die Kartoffelchips, die am meisten zu finden sind. Und, meist sind sie einfach nur gesalzen. Beziehungsweise, sie waren es. Über die letzten Jahre/Jahrzehnte gab es einen steten Trend zu würzigeren Geschmäckern, zumeist (angeblich) basierend auf Chilli, aber auch (vorgeblich) Wasabi.

Chips in Lettland, 2012
Chips in Lettland, 2012

In Lettland, im Baltikum, andererseits, war die Kombination aus Sauerrahm und Schnittlauch oder Dill viel häufiger anzutreffen, was genau der Idee des dominanten nordosteuropäischen „Würzprinzips“ entspricht.

Und so ziehen wir noch weiter östlich, nach China… und ist das ein interessanter Fall.

Es geht weniger um exotische Geschmacksrichtungen, als man vielleicht annehmen könnte. Pringles hat vor einiger Zeit mit „Street Food“-Geschmäckern wie Hong Kong Roast Duck oder Thai Fischbällchen experimentiert, aber einen (wortwörtlichen) „hot dog“-Geschmack oder so etwas findet man (natürlich?) nicht.

Es gibt aber eindeutige Trends.

Lays Chips mit 'Heftig Gebratenes Pepsi-Cola Huhn'-Geschmack
Lays Chips mit ‚Heftig Gebratenes Pepsi-Cola Huhn‘-Geschmack.
*Das* ist dann schon etwas ein wenig anderes, basierend auf einer Idee kreativer chinesischer Köche.

Zum einen sind manche der Geschmäcker vielleicht an sich recht herkömmlich, zeugen aber doch von einem gewissen Interesse an exotischen Orten. Dies ist aber China, Chips selbst sind nicht gerade chinesische Snacks, und so sind auch die exotischen Orte welche, die für chinesische Verhältnisse exotisch sind – „Original Amerikanisch“, „Italienisches Rotes Fleisch“ und dergleichen.
Es gibt aber natürlich auch hier modern-exotische Varianten die auch einem Amerikaner oder Europäer seltsam genug anmuten können…

Lays, Scharf-Saure Fischsuppe
Lays, Scharf-Saure Fischsuppe

Zweitens werden aber auch distinkt chinesische Aromen eingesetzt, um den dortigen Geschmack vielleicht doch direkter und auf ‚heimischere‘ Art anzusprechen. Die Firma Lays, insbesondere, bietet immer mehr solche Varianten mit dem Geschmack von Sichuan betäubend-scharfem Hot Pot oder scharf-saurer Fischsuppe.

Lays Chips, Geschmack 'Grüner Pfefferkorn-Fisch'
Lays Chips, Geschmack ‚Fisch mit Grünem Pfefferkorn‘.
Interessant, weil hier grüner Sichuanpfeffer gemeint ist…

Drittens schliesslich versuchen die Unternehmen auch, sich an den chinesischen Geschmack und dortige Ideen von Essen-als-Medizin anzupassen. So gab es (wiederum, v.a. von Lays) Chipsaromen wie Salatgurke, Zitrone oder Heidelbeere. Die letzten zwei sind mir diesen Sommer nicht mehr untergekommen; die Idee jedenfalls soll gewesen sein, dass die sonst üblichen scharfen Geschmacksrichtungen als Winteraromen gelten, während diese Aromen hier laut chinesischer Medizin kühlend wirken und daher für den Sommer gut sein sollten.

Es ist wohl das perfekte Beispiel dafür, wie wir alle einfach Menschen sind, wie unsere körperliche Intelligenz dementsprechend rund um die Welt auf dieselbe Art durch durchdesigntes Junk Food ausgehebelt werden kann – und wie zugleich doch auch kulturell-kulinarische Unterschiede wirksam sind.

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