Chachawan in HK: Rustikale Issan-Küche trifft Hongkong-Moderne

Mitten in den Vorbereitungen für den Chinaaufenthalt dieses Sommers, erster Stopp: Hongkong, stolperte ich über die Meldung, dass Chachawan eröffnen würde.

Ein neues In-Lokal mit würzig-rustikaler nordthailändischer Küche in Central, Hongkong? Nicht gerade meine üblichen Spielplätze, und dann irgendwie auch doch wieder…

Schliesslich ist es zu einem Trend geworden, sich lokale und bodenständige Inspiration für noble Restaurants und edle Gerichte zu holen, und es ist ein Trend, den ich unheimlich interessant finde.
Schliesslich verwandelt er das, was oft als gewöhnlich gilt, vielleicht sogar bewusst vermieden wird, weil es doch rückständig und „arm“ sein soll, in neue Funde von kulinarischer Relevanz.

Wenn das dann auch noch mit einer würzigen Küche geschieht, in der Chilli eine wesentliche Rolle spielt – wovor viele Küchenchefs immer noch zurückschrecken, weil auch sie fälschlicherweise der Meinung sind, dass es beim Chilli nur um Schärfe geht und (sonstige) Aromenvielfalt zerstört würde – dann ist das nicht nur meine Spielwiese sondern meine Kanzel für die nächste Predigt.

Dementsprechend hatten wir grosse Erwartungen, nicht nur was die Rechnung angeht, als wir uns auf den Weg nach Central machten.

Chachawan

Relativ früh angekommen fanden wir ein Lokal vor, in das schon die ersten Besucher kamen, in dem aber noch problemlos Plätze zu bekommen waren. Sehr interessante Plätze, in Bar-ähnlicher Situation, direkt an der offenen Küche!

Chachawans "Bar-Küche"

Es war wunderbar zum Plaudern, mit dem Personal und dem Küchenchef Adam selbst einige Worte zu wechseln, und um überhaupt die geschäftige Küche zu beobachten. Und in der geht es wahrlich heiss zu!

Chachawan

Schon die bestellten Drinks, einfach grüne Kokosnuss bzw. ein Ananas-Guave-Mocktail (Chachawan hatte noch keine Lizenz für den Alkoholausschank; ohnehin nicht unser Problem), versprachen gutes.

Die Riesenshrimps, frisch gegrillt mit einem trockenen Rub von roten Chilli, waren nicht unbedingt mein Lieblingsgericht, aber schmackhaft.

Chachawan: Riesen-Shrimps (Tiger Prawns)

Irgendetwas an der Textur von Meeresfrüchten stört mich einfach; das hat aber natürlich nichts mit dem Lokal zu tun, und es war schon einmal ein guter Start. Nicht zu würzig, aber zufriedenstellend.

Hühnerfleischspiesschen, gereicht mit einem Dip aus Chilli, Cilantro und Zwiebel (und eigentlich noch ein wenig komplizierter als das), klingt wohl wie etwas, das man gar nicht falsch machen kann – aber es gelingt auch nicht so leicht herausragend gut.

Chachawan: Hühnerfleischspiesschen

 

Der Dip zum Huhn

Diese allerdings waren ganz hervorragend: schön gebraten aber nicht zu sehr, damit aromatisch und saftig und durch den Dip von einer herrlichen Aromenvielfalt, Textur und Würzigkeit, die sie aus der Masse heraushebt.

Zum Abschluss, der Hauptgang, Seebarsch in Salzkruste gegrillt, gefüllt mit verschiedenen Kräutern, gereicht mit einer Sauce aus Chilli und Limette.

Seebarsch in Salzkruste

Während wir am Essen waren, kam einer als (angeblich) nicht ganz durch zurück, aber unserer war perfekt. Saftig-schmackhaftes, zartes Fleisch, leicht von den Gräten zu bekommen – und die Sauce dazu war einfach fantastisch.

Seebarsch am Tisch

Zuerst eine stark saure Note, dann eine gute aber nicht übertriebene Schärfe, die genau den richtigen (aber nicht übertriebenen) Effekt hervorruft, den man suchen würde.

Billig war die Erfahrung nicht, aber die Qualität und das Ambiente wird ja auch bezahlt – und davon gab es jede Menge. Meiner Meinung nach sind die Speisen weniger ländlich-rustikal und auch weniger scharf, als manche der Beschreibungen von Issan-Küche mich hätten erwarten lassen, aber gerade diese Verwandlung eines lokalen und eher einfachen Kochstils in den Stil eines gehobenen Restaurants finde ich wahrlich faszinierend und zukunftsweisend.
Das dann auch noch mit einer würzigen Küche, die nicht vor dem Chilli zurückschreckt, recht traditionell und darum erst recht mit interessanten Geschmackskombinationen, zu sehen, das ist eine wahre Freude.

So also vielen Dank an Adam, und auch dem Personal gebührt besondere Erwähnung. Sie haben sich eigene Erwähnung und eigenen Dank erwähnt, denn sie waren aufmerksam und wirkten dabei zugleich mehr wie Freunde, welche die Speisen erklären und sich um das Wohlbefinden ihrer Gäste bemühen als wie Kellner, die einfach nur ihre Arbeit tun. Eine Freude auch dies.

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